05.04.2009 (2): ¡El que no salta es gaucho!

Bolivien 6. Argentinien 1. Lasst es euch auf der Zunge zergehen. SECHS ZU EINS.

Stellt euch fogendes vor: Kenia 6 Spanien 1. Georgien 6 Brasilien 1. China 6 Deutschland 1.

Genug der Euphore, schweig nun, Herz! Lest nur den Bericht von nuechtr'ner Hand!

 

Wir waren also (siehe Teil1) rechtzeitig (ziemlich rechtzeitig, einen Tag vorher, aber man kann ja nie genug Panik schieben wenns um Lionel Messi geht) in La Paz angekommen, ich hab den Nachmittag von der Arbeit freibekommen, die Maedels haben eisebuchungen und Gebummel erledigt. Das Spiel ging um 15.30 los, wir waren um 14.30 am Stadion. Ales war angerichtet fuer hoffentlich heldenhaften Kampf der lustigen kleinen Amateur-Bolivianer aber schlussendlich doch eher deutlichen Untergang gegen Messi, Tevez, Demichelis und allen voran natuerlich Diego "die Hand Gottes" "wir spielen gegen Bolivien, nicht gegen die Hoehe" "gerade 4-0 gegen Venezuela gewonnen" "Messias" Armando Maradona.

Max hatte sich entschieden, Argentinien zu untertuetzen. In meinem Grossmut erspare ich ihm hier Kommentare wie "Vaterlandsverraeter" (nicht nur Bolivien, auch Deutschland, man erinnere sich an 2006 und Frings), "Opportunistenschwein" oder "Depp". Hierzu nur eine kurze Anekdote: Vor dem Spiel lauert uns ein Kamerateam auf. Waehrend ich wendig aus dem Fokus hechte geraet Max (ob gewollt oder nicht sei dahin gestellt) ins Visier der Jaeger. Auf die Frage: "Warum unterstuetzen sie Argentinien?" war er recht gut vorbereitet, auch wir anderen Voluntaere (natuerlich ausnahmslos ganz in gruen gewandet) hatten Bedenken zu diesem thema schon leicht anklingen lassen. Es folgete also die unvermeidliche (und spaeter unerwartet peinlich-fatale Antwort): "Weil Argentinien sowieso gewinnt und Messi mindestens 5 Tore schiesst." Er hatte darauffolgend 90 quaelende Minuten Zeit sich das Ausmass seiner Worte durch den Kopf gehen zu lassen.

 

Das Spiel fing natuerlich mit den Nationalhymne an. Als bei der zweiten dann ca. 35000 Menschen zu groelen anfingen, wurde auch klar, welche die bolivianische war. Bei mir machte sich die Angst langsam breit. Trotz intensiver Hoffnungen war Max direkt hinter mir zum Sitzen gekommen, bester platz also, um trifenden Spott zu platzieren. Wie sollte ich mich wappnen?

Die ersten 10 Minuten verliefen ausgeglichen. Als waere das nicht schon verwunderlich genug, hatte Bolivien auch noch einige ordentlich gefaehrliche Schuesse aufs argentinische Tor. Aus etwa 40 Metern (beides: Gefahr und Distanz, ist ernst gemeint). Auch die Ecken danach waren in Ordnung. Aber hey, nicht hoffen, das ist Argentinien, das laeuft hier am Schluss wie bei den Bayern... Dachte ich waehrend ein bolivianischer Angriff sich inzwischen fast eine minute am argentinischen Strafraum festgestzt hatte, der Ball nach links aussen ging, wieder an den Strafraum (...schiess...), von da rechts in den Strafraum rein (schiess...!) nochmal quer knapp vor den Elferpunkt (SCHIESS!), verstolpert wird (arghh! ****&%$!?!?!?) und dann gaaanz langsam links am Tormann reingedrueckt wird. Irgendwann nach 2 minuten schreien und huepfen macht dann die Anzeigetafel klar, dass es tatsaechlich eins zu null steht. Und damit beginnt vorerst das zittern.

 

Denn auch die Argentinier spielen Fussball. Haben jetzt laengere Angriffe. Fuehren den Ball schoen. Lnager Ball auf Messi, Lupfer, drin. ... Abseits. 2 minuten spaeter, langer ball auf Messi Lupfer... Und Arias mit Wahnsinnsparade. Der gefeierte Held. Danach ebben die Chancen wieder etwas ab, nur noch 'n lahmer Schuss aus ca. 20 metern. Aufstetzer. Was macht der gefeierte Held da schon am Boden?

(Kurze Bedenkzeit)

...Arrrrgh!!! Warum musste das so schnell pasieren? Und warum so bloed? ARGH! Der gefeierte Held ist ein Wurstkopf!

Aber egal, Lebbe geht weiter, hatten wir ja eh damit gerechnet, danke fuer die 15 netten Minuten! 

 

Trotz allem geht das Spiel immer noch ausgeglichen weiter. Immer mal wieder die Bolivianischen Weitschuesse, von den Argentiniern nicht viel, hoechstens mal laengerer Ballbesitz. Wider son Weitschuss (okay, dass wird langsam eher doof, die hat er dann doch eh immer), zur Zeite abgeklatscht (...oh...schiess...), rausgegeben (Schiess!) den ersten stehen lassen (SCHI-HI-IESS!), in den Strafraum rein, umgerannt... 

(Und wieder kurze Bedenkzeit... war nicht immer alles so leicht zu verstehen;P)

"Gibt er echt Elfmeter?!"

Botero tritt an gegen Carrizo, verzoegert stark, Carrizo in der linken Ecke, und er ball (schoen wieder ganz langsam) in die mitte gelupft... Wie kann man mit der Chance zur Fuehrung kurz vor Halbzeit so abgewichst sein? Jetzt muesste eigentlich langsam wieder das Zittern anfangen. Aber Bolivien hat einfach zu viel Ballbesitz dafuer. Und spielt immer weniger Fehlpaesse. Und jetzt wieder vorne... Ball an der rechten Grundlinie (hoffentlich haellt er ihn da lange, ist ja gleich Pause. Ist ja eh keiner dabei... Warum lupft er ihn denn jetzt in die Mitte?

Man wird erraten, dass da doch einer war. De la rosa war da. Kopfball ins linke untere Eck (so gesehen eigentlich echt nah am torwart dran, aber das war noch nicht so auffaellig). Also gings mit 3-1 in die Pause. 

Ich hab mich noch ungefaehr 24 Mal auf der Leinwand ueber das Ergebnis versichert, und den rest der Zeit die hand nicht ruhig halten koennen... Messi ist immer gut fuer 2, 3 Tore. Nichts ist durch... Panik! Es geht weiter.

 

Den Rest des Spiels werde ich kurz fassen. Man kann ja nicht jedes Tor gegen irgendwelche Zwergmannschaften haargenau beschreiben...

4-1 (recht bald) Botero, Kopfball nach Martíns-Flanke, schon wieder links unten, Torwart diesmal echt lahm.

5-1 (irgendwann nach 5 Minuten ununterbrochenem Ballbesitz und "olé" bei jeder Ballberuehrung) Botero (damit Hatrick), nach Langem pass, Verteidiger ueberlaufen, Richtung korriegiert, am verwirrt rumstuermenden Tormann vorbeigeschoben. Diemal rechts.

6-1 (kurz vor Schluss) Torrico, ansatzloser Schuss nach handballspielaufabu aus 20 Metern. Wieder links unten. Tormann kann grade noch aus dem Weg springen.

 

Sonst noch wichtige Ereignisse des Spiels: di Maria wird eingwechselt. Di Maria spielt 8 Minuten. Di Maria rotzt 'nen Gruenen beherzt von hinten in die Knoechel und darf das Spielfeld (wahrscheinlich dankbar) verlassen. Tevez verstolpert ungefaehr 12 Baelle, darf sich aber gluecklich schaetzen. Ausnahmslos alle anderen Argentinier fallen mindestens einmal ueber den Ball drueber. Hinter uns ruft ein gediegener Mann im Jackett imer wieder euphorisch "Guchos racistas". Max murmelt immer wieder beschwoerend "aber wenn sie den Ball haben, dann spielen sie wunderschoen, dass musst du zugeben". Nachdem 6-1 faellt der Kommentar: " Messis 5 Tore reichen nur noch fuer ein Unentschieden! ". Botero bringt den geilsten (es gibt kein besseres Wort) Torjubel aller Zeiten an: Nach dem 5-1 deutet er mit kreuzend schwingenden Armen an, dass man jetzt eigentlich auch aufhoeren koenne. Drei bolivianische Verteidiger lassen Messi im Dreieck laufen. Dabei spielen sie sich den Ball auch schonmal aus dem Fussgelenk ueber den Kleinen zu. Nach Spielende wird Maradona von den bolivianischen fans zur Tribuene gerufen. Er kam nicht.

 

Insgesamt das beste Fussballspiel, dass ich je gesehen habe. Bolivien hat Argentinien echt an die Wand gespielt. Am Tag danach kam nichts anderes in Funk und Fernsehen. Es war die hoechste Niederlage in der Geschichte der argentinischen Nationalmannschaft, nur 1958 haben sie ebenfalls 6-1 gegen Tschechien verloren.

 

Ausserdem: 6:1!!! JAAAAA!!!  ¡El que no salta es gaucho, el que...!

 

Okay, bevors wieder mit mir durchgeht, zieh ich von hinnen.

Euer Guenther Netzer!

 

P.S.: Ein Glueck, dass "Ohne Bolivien, fahrn wir zur WM" auf Spanisch uebersetzt in keine Melodie passt!

P.P.S.: Jeder der von Hoehenluft redet ist nicht mehr mein Freund!

P.P.P.S.: Ihr wisst wie ich zu Rechtschreibfehlern stehe... 

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05.04.2009: Eine Woche normale Ernaehrung!

Nach laengerer Zeit wird heute mal wieder reichhaltig gebloggt. Hier der Beitrag zum Besuch meiner Tante Christel und meiner Cousine Silvana, sowie wiederrum unseren Besuchen auf der Isla del Sol und in Rurrenabaque.

 

Angekommen sind die beiden in La Paz am 23. 03., und zwar per Bus, da sie sich vorher schon in Santiago de Chile, Valparaiso und der Salar de uyuni rumgetrieben hatten. Also hab ich mich fruehmorgens aufgemacht, die beiden vom Busterminal abgeholt und (obacht!) Broetchen, Marmelade, Wurst und Eier eingekauft. Wahrscheinlich das erste Mal seit 7,5 Monaten, dass ich soviel verschiedenes, normales Essen im Haus hatte, und dass dann auch noch zur adaequaten Tageszeit auf den Tisch gebracht habe.

Nachdem Fruehstueck haben wir dann erstmal versucht, die Wohnung der beiden auf dem Gelaende "unseres" Maedchenheimes zu beziehen. Nach anscheinend schlechten Erfahrungen in Chile waren beide auch recht zufrieden, schade nur, dass irgendwie verloren gegangen ist, dass wir uns alle mit einander Bettbezuege fuer die beiden Besucherinnen gewuenscht haetten. Da war ich also (nicht zum letzten Mal waehrend des Besuches) sehr beruhigt, dass beide sehr genuegsam und ruecksichtsvoll mit Bolivien umgegangen sind .

Spaeter sind Christel und Ich dann nochmal zur Erkundung der Stadt aufgebrochen, Silvana hat stattdessen bis zum Abendessen (Charlie Papa's) ausgeruht.

Amnaechsten Tag gings dann wieder in die Stadt, diesmal war das ganze zuerst mit dem Buchen der Tour nach Rurrenabaque und danach mit dem Buchen und direktem Abholen diverser "Artesania"-Artikel von seiten der Damen verbunden.Dabei sind wir dann auch auf Christels und Silvana Uyuni-Bekanntschaft Nancy (*Name von der redaktion als symptomatisch fuer den Charakter angesehen) gestossen. Hatte ich schon am Terminal kennen gelernt. War mir beim zweiten mal auch nicht sympathischer.

Am Abend gings dann wieder Essen (Reineke Fuchs). Ausserdem wurden Familiengeschichten (zentraler Punkt immer wieder irgendwie mein Papa ;D) ausgetauscht. Spaetestens da ist es mir zum ersten Mal aufgefallen, wie komisch es ist, Familie zu Besuch in Bolivien zu haben. Ich hoffe man versteht mich nicht falsch (und das schreibe ich nicht nur weil ich weiss dass die Christel den Bericht auch liest) aber das Leben zwischen Bolivien und Deutschland strikt zu trennen faellt mir deutlich leichter. Vielleicht laesst auch deswegen die ein oder andere Mail mal laenger auf sich warten... In der Woche mit den beiden hab ich mich wieder viel mehr als Aussenstehender in La Paz gefuehlt und dazu noch wieder viel mehr Heimweh gehabt...

 

Die Diskussionen beim Reisebuero (Coca-Travels ...) haben ergeben, dass wir erst spaeter nach Rurrenabaque fliegen (Oh Gott, hoffentlich sind wir rechtzeitig zum SPIEL zurueck!!!) und uns vorher fuer einen Zwei-Tages-Trip an den Titicacasee begeben. Also gings tagsdrauf zuegig mit dem Touribus (mit dem "Linienbus" waers zwar authentischer, aber auch diebstahls-intensiver und komplizierter geworden) zuerst mal nach Copacabana. Achja, Nancy war auch dabei (hipphipphurra). Und ihren Reisekumpel Hatte sie auch dabei (zwar auch hipphipphurra, aber deutlich weniger euphorisch als bei Nancy).

Wie dem auch sei, nach kurzem Mittagessen un ebenso knapper Betrachtung der Tourimeile Copacabanas (achja, wir haben rausgefunden: Das brasilianische ist nach dem bolvianischen benannt!) begaben wir uns aufs Boot, und nach 2-stuendiger Fahrt ueber die "Treppe des Inkas" auf den Hausberg der Isla del Sol hinauf. Jakob (Nancys Begleiter) musste schon wieder zurueck, da Bolivien in einer Woche KOMPLETT duchreist werden musste, wir gingen wie gesagt auf die Treppe. Diesmal etwas weniger zuegig als vorher...

Nach hundert diversen Angeboten fuer Hostals (immer von denselben zwei kleinen jungs) entschieden wir uns oben nach der bewaehrten "Kein-Bock-weiter-zu-suchen"-Methode fuer Tor Nummer 3. Dahinter verbargen sich geraeumige Zimmer und Betten, eine gute Aussicht, ein vernuenftiger Preis und als Ueberraschungsknueller ein winziges Klo ohne Spuelung. Egal, die Isla del Sol wars wert. Der See ist einfach riesenhaft gross, sieht von oben WIRKLICH spiegelglatt aus, und im Zusammenspiel mit wechselnd blauem, grauem, weissem und Sternenhimmel sowie der typisch bolivianischen Landschaft ist der Blick in die Ferne einfach unschlagbar.

Am naechsten tag gings dann morgens (mit einigen Andenken mehr bestueckt) wieder ab zum Boot. Vorher noch lassig fruehstuecken, die Dame des Hauses nach der Anfahrtszeit fragen - ach, ne halbe Stunde frueher als gedacht ?! - und zum Steg rennen. Beim Treppe runter rennen (so gesehen doch erstaunlich was die alten Inkas alles mit Zement anstellen konnten...) mit drei Rucksaecken fast alle Beine gebrochen, gerade noch so die Karten gekauft und noch vor den ersten Regentorpfen ins (natuerlich) voellig ueberfuellte Boot gehechtet. Der regen stellte sich dann doch staerker heraus als vorher angenommen. Der Bootsfuehrer musste sich gar ein Muellsack-artiges Cape leihen (aber erst nach ner halben Stunde Niesel- und 10 Minuten Platzregen... ;D)! Trotz allem brachte er uns voellig ungeruehrt auch ohne Sicht nach Hause.

Da gings dann in altbekannter Manier erst locker (Silvana: Ooooh, Ohrringe!!!) und dann hastig (wie der bus faehrt da ganz oben ab?!) weiter. Im Endeffekt kamen wir dann aber doch noch recht ruhig in La Paz an (troz Buspanne an Faehre) und konnten den Abend diesmal ruhig zu hause ausklingen lassen.

 

Am naechsten Tag hatte Tourguide Miguel dann als grossartig origenellen und wahnsinnig authentischen Spass die Feria in El Alto ausgespaeht. Was fuer eine wahnsinnig tolle Superidee! Den Ausblick hatten wir schon am zweiten Abend genossen, aber das sollte noch getoppt werden. Der sofort bei unserer Ankunft eintretende Platzregen stoerte niemanden und wechselte auch nur selten zu Hagelschauern, sodass uns die um 0 Grad tendieren Temparaturen kaum auffielen. Unser Glueck war Nancy dabei zu haben, damit auch keiner vergisst, wems hier am allerschlechtesten geht und welche Stadt die bloedeste auf der ganzen Welt ist.

ABER: ICh hab Schuhe in meiner Groesse und nen Pulli gefunden! Wenn das mal nichts ist. Und Christel und Silvana waren den Umstaenden entsprechend (hoofentlich) auch ganz zufrieden.

 

Am naechsten Tag sollte es dann weitergehen. Sollte, haette es in Rurrenabaque (wo man sich eine hochmoderne Graslandebahn zugelegt hat) nicht auch geschifft. Fluege bis auf weiteres gecancelt. Also heute noch mehr shoppen, und am naechsten Tag nach Rurre.

Am naechsten Tag sollte es dann weitergehen. Sollte, haette es in Rurrenabaque (wo man sich eine hochmoderne Graslandebahn zugelegt hat) nicht auch geschifft. Fluege bis auf weiteres gecancelt. ... so haette das dann ewig weitergehen koennen. Stattdessen haben wir uns fuer eine Jeepfahrt entschieden. Ueber Huppelpiste, streckenweise sehr aehnlich dem Profil der alten Todesstrasse. Positiv. Jeep ist klein, faellt also nicht so leicht von der Strasse, war fast 150 Bolis billiger als der Flug (...), ist drei Stunden schneller als der Bus (... ...) und wir hatten zu viert plus Fahrer im eigentlichen 6er jeep verhaeltnismaessig viel Platz. Ihr fragt warum zu viert? Kommen wir zu:

Negativ: Nancy war dabei. Und war bolivianischen Fahrstil mal ueberhaupt nicht gewoehnt. An den Angstzustaenden konnte man deswegen noch mal besser teilhaben, da aufgrund von Streckenbeschaffenheit und Hitze an Schlaf nicht zu denken war...

Aber gut, irgendwann waren wir dann da, wurden von Guide Domingo (=Sonntag) begruesst, ins Boot verfrachtet, und durften uns in dem laenglichen Kahn dann schon mal die ersten Tiere reinziehen. Und natuerlich ausgiebig fotografieren, wir elenden Klischee-Touristen ;P. Mit dabei waren auf dieser ersten Fahrt diverse Voegel (Adler, Reiher, irgendwelche kleine), Affen (kleine gelbe, grosse Bruellaffen (wenn ich das richtig uebersetze)) und sogar ne gruene Mamba. Und an unserer Huette (mit ordentlich Haengematten und nachts Muecken ausgestattet) lagen dann erstmal zwei Kaimane direkt vorm Blakon im Wasser rum. Warum auch nicht?

In den folgenden zwei tagen haben wir uns dann noch zweimal an verschiedenen Orten den Sonnenaufgang angeschaut und dabei ueberteuerte Erfrischungsgetraenken konsumiert, sind mit den Fluss-(!)-delfinen geschwommen, haben Anacondas gesucht und sie nach etwa tausend Millionen Moskitos gefunden, Pirañas geangelt und verzehrt und auch nochmal 'nen ordentlich dicken Alligator bei uns vor der kueche begruessen duerfen. Die Tourbetreiber nannten ihn "Kleiner"...alte Scherzbolde. Achaj, und Nancy wurde doch tatsaechlich von im Dschungel voellig ueberraschend anwesenden Insekten gebissen (in dem fall rote Ameisen) hat rumgetobt und befunden: "Scheisse, Scheiss-Woche, alles was mit Scheiss-La Paz zu tun hat ist scheisse!" Ich hab sie wirklich ins Herz geschlossen.

Die Rueckfahrt war dann aehnlcih entspannend wie die hinfahrt, aber auch die haben wir ueberstanden, und dann an den folgenden 2 Tagen irgendwie auch noch eine Tour fuer Christel und Silvana nach Cusco/Machu Picchu gebucht gekriegt, Nancys Abschied beweint und uns DAS SPIEL angeschaut (jaa, wir ind rechtzeitig!!! - siehe Beitrag #2).

 

Morgen kommen Christel und Silvana nochmal nach La Paz zurueck, um dann uebermorgen nach Deutschland zu fliegen. Ich hab mich auf jeden Fall sehr gefreut beide nach laengerer Zeit mal wieder zu sehen, ihnen die Stadt zu zeigen und mit ihnen zu reisen. Also ein sehr gelungener Besuch.

Trotzdem faellt mir der Alltag hier wahrscheinlich leichter.

 

Somit auf bald!

Euer Diego Armando

 

P.S.: Einige ungeordnete gedanken zum Abschluss:

Warum kommen Menschen (sagen wir mal, sie hiessen Trixi) die ueberhaupt nicht mit Unordnung, Schmutz, kaputten Klos, Verkehrschaos, Smog, fehlendem Komfort, wildem Fahrstil, schlechten Strassen und gefuehtlen Pi-tausend weiteren Sachen klarkommen nach Suedamerika?

Als Backpacker?

Und warum muss ich sie da treffen?

Und warum zur Hoelle taetowieren sich solch unglaubliche Abenteuerliebhaber Spinnen auf die Fuesse? Warum???

 

...ganz im Ernst, wie man wahrscheinlich gemerkt hat, greift mich sowas als Moechtegern-Paceño schon ziemlich an. Deswegen reagiere ich wahrscheinlich ueber... vielleicht... nee, eigentlich nicht.

P.P.S.: Christels und Silvanans Zeit hier hat mich veraendert. Ich hatte gerade Marmeladebrot und tee zum Fruehstueck. Um halb 9. Es sieht so aus, als wuerd ich heute sogar noch zwei weitere male zu normaler Zeit fruehstuecken. Der helle Wahnsinn. Ich will wieder Wuerstchen mit Knoedeln um 11!!!

P.P.P.S.: Ueberlest alle Schreibfehler, die inneren Werte zaehlen!

 

 

 

 

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25.02.2009: Operation Wuestenspass

...wurde erfolgreich absolviert. Es ging von Freitag bis Dienstag ueber Oruro (Karneval) nach Uyuni (Wuesten, diverse) und zurueck nach la Paz.

 

Angefangen hat das Erzaehlens-Werte am Freitag, mit der Karnevalsparty der Fundación. Da wurde erstmal nach bolivanischem Brauch nicht mit Alkohol gespart. Unanagenehmerweise musste danach auch noch jedes projekt mit einer kurzen Tanzvorfuehrung aufwarten. Unsere stand unter dem Motto "Schneewittchen und die 7 Zwerge".

Wer jetzt schon erraten hat, was ich dargestellt habe, wird mit Freuden hoeren, dass ich trotz oben erwaehnter Traditionen meine Ballerinabewegungen noch mehr als beachtlich hinbekommen hab. Gewonnen haben wir trotzdem nicht, Geruechte machen die Runde, die jury waere nach den ersten dreien eingeschlafen und haette deswegen einfach genau diese gewaehlt...

 

Trotz dieser herben Enttaeuschung gings dann in der selben Nacht noch als gruppenaktivitaet mit (fast) allen Voluntaeren weiter nach Oruro. Oruro, bekannt als "Folklore-Hauptstadt Boliviens", hatte am Samstag den bekanntesten bolivianischen Karnevalsumzug zu bieten. Der war auch echt schick - obwohl der ein oder andere Voluntaer (ich natuerlich auf keinen Fall ueberhaupt gar nicht!) vom ausgiebigen Feiern etwas ermattet war. Die verschiedenen Taenze und Verkelidungen warens die Muehe aber allemal wert. Auch die ungefaher 1000 Wasserbomben die man in Begleitung von drei "gringas" ueber sich ergehen lassen musste.

Nach dem die meisten anderen dann am Samstag noch waehrend des Umzugs (der allerdings auch von 10 Uhr morgens bis 10 Uhr abends geht) abgereist sind, sind Daniel, Charlottes Freundin Carolin und ich noch auf der Tribuene geblieben, haben den Umzug weiterverfolgt und uns dann langsam gen Busterminal begeben, von wo aus wir weiter nach Uyuni gereist sind.

 

Auch in diesem Bus war mit Ausruhen nicht viel los, war ja mal wieder ne nachtfahrt. Die finde ich persoenlich zwar persoenlich sehr romantisch (auf eine voellig maennliche Weise!!!) , aber gerade von Oruro nach Uyuni konnte man den Vollgepackten Sternenhimmel ueber dem stockdunklen Altiplano nicht hundertprozentig geniessen - das mag vor allem daran liegen, dass es zwischen den besagten 2 Orten einfach keine Strasse gibt. Man rast einfach in uralten Bussen mit viel zu kleinen Sitzen 8 Stunden durch Steinwueste, die hin und wieder durch Schlammlachen unterbrochen wird. Zur Abwechslung bleibt der Bus dann auch manchmal stehen, und dubiose Busbegleiter fangen an irgendwelche Anweisungen zu geben, draussen irgendwas rumzuschaufeln und sich bei Gelegenheit auch noch am ein oder anderen Rucksack zu vergehen...

(Mag sein, dass ich etwas uebertreibe, aber im grossen und ganzen drueckt die Beschreibung schon die Irrwitzigkeit unserer fahrten aus...)

(Mir wurde uebrigens nichts gekalut und ich bin koerperlich unversehrt, also keine Panik, Anverwandte!)

(Ausserdem g'hert des in Bolivien so!)

 

Nach dem sich dann ungefaehr 5 der mitfahrer von den Erschuetterung ein Schaedeltrauma geholt haben und 3 weiteren das Trommelfell geplatzt ist (Ha! Ha!) waren wir um 6 (oder so) uhr morgens in Uyuni. Die Stadt an sich stelte sich als eher haesslich heraus, deswegen hopp hopp ins Reisebuero (vorgebucht war natuerlich nicht, aber naja, wie gesagt...: BOLIVIEN!). Nach geschicktem Taktieren und ausgekluegeltem ausspielen zweier reisebueros und ihrer preisangebote gegeneinander hatten wir ein 2 tagestour durch die Salzwueste und die umliegenden Landschaften zu anstaendigem Preis ergattert. Fuer mehr (z.B. die typische 3-Tages-Tour mit mehr Lagunen und dem Steinbaum war leider keine Zeit - Caro wollte weitereisen, wir muessen am morgigen Mittwoch wieder arbeiten). Begleitet wurden wir von 3 Spaniern und einer Bolivanierin.

NAchdem wir dann noch in einem etwas verweunderlichen Fitnessstudio im Bestiz eines ebenso wunderlichen Alterchens und unter den guten Ratschlaegen eines potenziellen Perversen geduscht hatten, ging um halb 11 mit unserer Tour los. Die erste Station war noch nicht soo spektakulaer. Im Prinzip gins darum, dass man Kunsthandwerk aus Salz kauft... Ha! Ich doch nicht, so ein Scheiss, die wollen uns doch alle nur verarschen...

 Einige Bolis aermer, davon aber im Bestiz diverser artifiziell aus weissen Mineralien hergestellten Dosen, ging es dann in Richtung des eigentlichen Salar de Uyuni weiter. Wenn man unserem Fahrer und Fuehrer Orlando Glauben schenken darf (ich deke man darf), war hier frueher ein Meer. Davon ist nach Erdverschiebungen jetzt aber auf 12500 Quadratkilometern (hat er so gesagt, ich schwoers!!!) nur noch eine bis zu 5 Meter dicke, wahnsinnig beeindruckende Salschicht uebrig. Mitten im Salar sieht man in alle Richtungen nur noch weiss, die umgebenden Berge scheinen ueber dem Boden zu schweben, die Wolken tuermen sich an den raendern auf, direkt uerb einem selber ist der Himmel makellos blau.

 ...war geil.

Danach gings dann noch zur "Fischinsel" (den eigentlichen Aymara Namen hab ich leider vergessen) noch innerhalb des Salars. Auch da nochmal: Tolle Aussicht, wunderschoene Fotomoeglichkeiten (auf Carso Fotoapparat, mal schauen wann die uns erreichen). In unserem jeep gings dann weiter in ein Dorf am rand des Salar, wo wir in einem Salzhotel uebernachteten. Hoehepunkte da: Vor allem das Gewitter mit den Abartigen blitzen um uns herum und die gute Unterhaltung mir unserer Reisegruppe (und mein vernichtender Sieg im Stadt-Land-Fluss!!! Harharhar!)

Wiederrum danach gings am naechsten tag weiter durch beeindruckend weite Wuestenlandschaften. Eine kleinere und weniger weise Salzweuste war dabei, die typische Altiplanosteppenlandschaft, verschiedene Sandwuesten, und eine Steinwueste. Auch das Fahren zwischen den einzelnen Stationen war keineswegs stoerend, sondern eher eine Gelegenheit, die landschaften immer aus neuen Winklen zu sehen. Ab gesehen davon kam man sich im jeep, in der Einsamkeit und auch den steinigen pfaden vor wie Indiana Jones. Auch wegen meines neu erstanden Hutes (schmunzelt nur, bald tragen das alles so!!!).

Spaeter kamen wir dann auch noch an verschiedenen lagunen mit haufenweise Falmingos vorbei. Wieder einmal: tolle Foto-Motive. Die Seen, eingerahmt von den Bergen, die Flaminogs und das aufziehend Gewitter....

Gut, das Gewitter war nicht so der Brueller sondern eher fruchteinfloessend, im endeffekt hats uns dann aber nicht erwischt, sodass wir nach dem mittagessen an einer Lagune und einer wahnsinnig beeindruckenden Landschaft aus Steinformationen (und dem eher lahmen "Friedhof der Zuege" gegen 6 wieder in Uyuni eintrafen). Da wurde dann noch ehktisch nach Weiterfahrmoeglichkeiten fuer alle Beteiligten gesucht, aber auch das war dann im Endeffekt erfolgreich, sodass Daniel und ich um 8 wieder nach La Paz (wieder ueber die Hoellenpiste) aufbrechen konnte, und Caro sich einer Reisegruppe nach Tupiza anschloss.

 

Heute hab ich zum Glueck nochmal frei, also kann nach herzenslust gechillt werden. Trotz allem freu ich mich wieder auf die Arbeit, der groesste Stress ist jetzt erstaml wieder um.

 

Ich hoffe von euch allen bald zu hoeren!

Michael

1 Kommentar 24.2.09 17:58, kommentieren

Zwischenbericht

Seit inzwischen sechs Monaten befinde ich mich jetzt als Voluntär für die „Fundación Arco Iris“ in La Paz, Bolivien, womit ich meinen „Alternativen Dienst im Ausland” ableiste. Ich arbeite hier im „Proyecto Educativo Integral – Escuela de la Calle” und bin damit sowie mit meinem Aufenthalt an sich alles in allem sehr zufrieden.
Trotzdem wurden meine im Vorraus gebildeten Erwartungen grösstenteils nicht erfüllt. Das liegt vor allem daran, dass ich zum Zeitpunkt meiner Vorbereitung und Abreise eigentlich kaum konkrete (oder realistische) Vorstellungen vom Leben in La Paz hatte. Von vielen Dingen konnte ich mir schlichtweg kein Bild machen, bei anderen wusste ich gar nicht, dass es sie hier gibt.
Völlig anders hatte ich beispielsweise über die Modernitätsstandards hier in der Stadt gedacht. Ich hatte mit deutlich weniger – bezogen auf Internet, Supermärkte oder Medien - gerechnet. Internet- und Telefonkontakt nach Deutschland sind jedoch verhältnismässig leicht aufrecht zu erhalten, warmes Duschen ist eigentlich (fast) immer möglich, und wenn man irgendwas unbedingt haben möchte, bekommt man es für den entsprechenden Preis meist auch.
Insgesamt habe ich hier den Eindruck gewonnen, dass es sehr schwer bis unmöglich ist, Voluntäre von Deutschland aus komplett auf ihren Aufenthalt in Bolivien vorzubereiten – vieles ist mit Worten einfach nicht zu erklären. Trotzdem denke ich, dass das speziell auf die Fundación und die Stadt zugeschnittene Vorbereitungsseminar generell mehr nützt und mir persönlich damals mehr gebracht hat als es ein allgemeines fid-Seminar getan hätte.
 
Das Leben in La Paz gefällt mir  -  so, wie ich es bis jetzt kennengelernt habe – sehr gut. Wie die meisten anderen Voluntäre auch, halte ich La Paz für eine ganz besondere und auf eine eigenen Art auch sehr schöne Stadt.
Mit der Höhe – vor der wir ja vorher audrücklich gewarnt worden waren – hatte ich eigentlich kaum Probleme. Zwar ist schon aufgefallen, dass man anfangs deutlich weniger Kondition hatte als der durchschnittliche Bolivianer. Das legt sich jedoch mit der Zeit und etwas sportlicher Aktivität mehr oder weniger.
Auch von Krankheiten wurde ich weitestgehend verschont. Zwar hatte auch ich – wie jeder andere -  die berüchtigten “Magen-Darm-Probleme”, aber ernste Infektionen oder vergleichbares war bisher noch nicht dabei.
Auch das Wetter hier ist erträglich. Man hat das Gefühl, als wäre es einfach das ganze Jahr über Herbst – mal mit mehr, mal mit weniger Sonne. Jetzt, in der Regenzeit, gibt es natürlich auch verstärkt überraschenden und heftigen Niederschlag. Sowohl Regen als auch Hagel. Und trotz der meist eher kühlen Temperaturen muss man auch immer darauf bedacht sein, sich keinen (allzu schlimmen) Sonnenbrand zu holen.
 
Ein grosser Unterschied zu Deutschland, den ich mir vorher ebenfalls nicht richtig bewusst machen konnte, ist die allgemeine Lebenssituation der „Paceños”. Die ist natürlich zwischen den Bewohnern  der „Zona Sur” und der höher gelegenen Stadtviertel nochmal unterschiedlich. Gerade in El Alto besitzen manche Familien für uns unvorstellbar wenig. Viele leben in teils fensterlosen Ein-Zimmer-Wohnungen und teilen sich diese mit Eltern, mehreren Kindern und anderen Verwandten. Die Wohnungen sind nicht immer mit Bett, Schrank und Tisch ausgestattet. Das einzige Bad ist oft das naechste „Baño público”. Zusätzlich leiden viele Familien auch noch unter häuslicher Gewalt, Alkoholismus oder sexuellem Missbrauch. Viele Mütter erziehen alleine.
 
Solche und andere Erfahrungen kann ich grösstenteils in meinem Projekt „Escuela de la Calle” sammeln. Ich arbeite dort zusammen mit einer weiteren Voluntärin, Charlotte Altmeyer. Organisatorisch gehört unser “Unterprojekt” zum grossen Projekt “Proyecto Educativo Integral”. Während im anderen Teil dieses Projektes jedoch mit Schulkindern gearbeitet wird um deren Lernprozess zu unterstützen, ist „unser” Teil des Projektes auf „Strassenkinder” ausgerichtet. Dazu muss man sagen, dass „Strassenkinder” zumindest ein verwirrender, wenn nicht sogar falscher Begriff ist. In den aktuell 3 Strassengruppen mit denen wir arbeiten befinden sich höchstens 5 Kinder regelmässig. Der Hauptanteil der Strassenbevölkerung der die “Escuela” wirklich besucht, besteht aus Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 17 und 25 Jahren. Unter diesen befinden ich wiederrum nur wenige Frauen.
 
Die tägliche Arbeit im Projekt verläuft für mich sehr abwechslungsreich. Grundsätzlich ist geplant, dass wir jeden Morgen der Woche mit dem Minibus der Fundación zu einer anderen Gruppe gebracht werden, um dort den „Unterricht” abzuhalten. Da sich aber Ende des letztens Jahres eine unserer Gruppen aufgelöst und teilweise einer anderen angeschlossen hat, bleiben uns jetzt nur noch drei Gruppen: Dienstags die „Intocables” unter der „Puente de las Americas”, mittwochs die „Leones” an der „Avenida de los Leones” und donnerstags die „Vatos Locos” an der San-Francisco-Kirche. Montag und Freitag bleiben dann für die Planung von Aktivitäten oder speziellen Aktionen – wie Besuche bei eventuellen Arbeitsstellen oder für “Extra-Unterricht”. Ich hoffe aber trotzdem, dass der Plan, für 2009 eine neue Gruppe jüngerer Strassenkinder ganz in der Nähe des “Casa de Paso” zu erschliessen weiter verfolgt wird und auch gelingt.  Die Arbeitszeit wäre damit noch deutlich besser ausgefüllt und dem Begriff “Strassenkinder” wäre wieder mehr entsprochen.
 
Wenn ich hier über “uns” schreibe, dann meine ich damit die Tutoren Grover Jimenez und Mery Beltran, sowie die beiden Voluntäre Nelson Flores (der das Projekt Mitte Februar verlassen wird) und Charlotte Altmeyer. Diese 4 arbeiten regelmässig auf der Strasse. Da ich mich anfangs entschieden habe, mehr im Bereich “Trabajo Social”, also in der Sozialarbeit mitzuwirken, bin ich nicht immer morgens beim Unterricht und auch nicht an allen Aktivitäten regelmässig beteiligt. Eigentlich ist zwar geplant , dass entweder ich oder meine Chefin, die Sozialarbeiterin des Projekts Consuleo Gonzales, die anderen morgens begleiten, oft ist es jedoch so, dass wir beide anderen Tätigkeiten eingeplant haben. Für dieses Jahr hoffe ich jedoch wieder öfter mitkommen zu können.
Damit liessen sich auch bestimmte schon aufgetretene Probleme vermeiden. Da der Bereich „Trabajo Social“ unter anderem auch für den Bereich der Gesundheit zuständig ist, kann es passieren, dass in unserer Abwesenheit gesundheitliche Missstände übersehen werden. Hier sollten wir wahrscheinlich noch mehr auf vollständige Koordination der verschiedenen Tätigkeiten innerhalb des Projektes, oder mit den anderen Teilen der Fundación – sowie der Ambulanz des Hospitals – achten.
Vor allem, da vor einiger Zeit einer unserer „Jungs“ verstorben ist. Da er mit gleich mehreren verschiedenen schweren Krankheiten infiziert war, hätte ihm wahrscheinlich nicht mehr geholfen werden können, trotzdem wurde die Verschlechterung seines Zustandes viel zu spät bemerkt. Hier hätten sowohl die Ambulanz als auch wir viel früher eingreifen müssen.
 
Gerade die Vielfältigkeit der Arbeit war einer der Hauptgründe für mich, die Sozialarbeit auf der Strasse als „mein Projekt“ auszuwählen. Die Arbeit ist ausserdem zeitaufwendig, so dass fast nie Langeweile aufkommt. Auch  dadurch, dass sie oft sehr anspuchsvoll ist, fühle ich mich gut ausgefüllt und halte meine Arbeitszeit hier für sinnvoll genutzt. Zwar gibt es tatsächlich nur kleinere Erfolge, diese sind die Arbeit jedoch auf jeden Fall wert.
Im Oktober 2008 kam zum Beipiel ein recht gepflegter junger Mann zu uns ins Büro. Nachdem er eine Weile mit meiner Chefin gesprochen und sich mehrfach bei ihr bedankt hatte, drehte er sich zu mir um und sagte: „Der hat mich damals hingebracht!“ Ich habe dann immer noch eine Weile gebraucht um darauf zu kommen, dass das tatsächlich der „Junge“ sein sollte, den ich etwa einen Monat zuvor ins Heim begleitet hatte. Damals war er jedoch von Alkohol und Drogen im Gesicht völlig aufgequollen, am ganzen Körper vernarbt und schmutzig gewesen.
Das Gefühl als ich ihn erkannt hatte, war unglaublich befriegend und hat mich danach noch wochenlang besonders motiviert.
 
Meine Motivation in der Arbeit ist an sich mit der Zeit immer stärker geworden. Da mir anfänglich von den „Beneficiarios“ und anscheinend auch von meiner Chefin nur wenig Vertrauen entgegengebracht wurde -  und ich somit auch entsprechend weniger Arbeit hatte – fiel es mir noch länger schwer, mich wirklich mit meinem Porjekt, meinen Aufgaben und „meinen Jungs“ zu indetifizieren. Rückblickend kann ich jetzt sagen, dass es sich dabei um die ganz normale Eingewöhnungsphase gehandelt hat, auch wenn diese mir anfangs schon zu schaffen gemacht hat. Auch weil ich mit einigem Heimweh zu kämpfen hatte.
 
Das Vertrauen meiner Chefin konnte ich mir dann jedoch Schritt für Schritt erarbeiten, so dass ich jetzt einen grossen Teil meiner Aufgaben alleine und weitgehend selbstständig erledige. Zwar werden mir noch oft Aufgaben zu gewiesen – für diese bin ich dann aber nach kurzer Einarbeitungsphase selbst verantwortlich.
So betreue ich seit Monaten eine Tuberkulose- und HIV-Patientin aus einer unserer Gruppen im „Hospital General“, statte ihr Besuche ab, besorge Medikamente aus dem Hospital Arco Iris und informiere mich bei den behandelnden Ärzten über ihren Zustand. Ich hoffe das unter anderem diese Betreuung zur ihrem starken charaktrlichen Wandel geführt hat. Die Patienten hat bis jetzt an ihrer langwierigen Tuberkulose-Behandlung festgehalten, wurde vor wenigen Tagen aus dem Krankenhaus entlassen und zeigt keinerlei Neigung wieder auf die Strasse zurückzukehren. Ich hoffe sehr, dass es in den nächsten Tagen gelingt ein Heim für sie zu finden, damit sie ihre Entwicklung fortsetzen kann.
 
Neben dieser (zur Zeit grössten) Aufgaben im Bereich Gesundheit helfe ich verschiedenen „Beneficiarios“ beim Sparen ihrer Gehälter, Arbeit zu finden und betreue sie dann auch später bei dieser Arbeit. Ich besuche Ex-Strassen-Familien zu Hause um Wohn- und Familiensituation kennen zu lernen oder zu überprüfen, arbeite in der Koordination mit anderen Projekten und ihren Heimen, kümmere mich um Beantragung und Abholung von Ausweisen, Geburtsurkunden und Zertifikaten und begleite Beneficiarios auch spontan in Notfallsituation zu den entsprechenden Stellen. All diese Arbeite erledige ich natürlich vor allem als Helfer meiner Chefin.
 
Das Vertrauen der „Jungs“ zu mir und auch meines zu ihnen hat sich dagegen mehr in bestimmten Schlüsselsituationen entwickelt, oft auch bei Einzelnen oder einigen Wenigen gleichzeitig.
Ein Beispiel für eine solche Schlüsselsituation ist an sich relativ banal, da es bei dem von uns organisierten Fussballturnier für die Strassenkinder stattgefunden hat. Aufgrund von Ausfällen hat auch das Projekt ein Team gestellt, in dem ich relativ kurz nach meinem Arbeitsbeginn mitgespielt habe. Gleich in meinen ersten zwei Spielen konnte ich drei relativ glückliche Tore schiessen. Vor allem beim zweiten und den folgenden Spielen, habe ich immer wieder von den Zuschauern Anfeuerungen gehört, und auch nach dem Turnier konnten sich noch viele an meinen Namen erinnern (wahrscheinlich auch wegen meiner Grösse und meines Bartes). Trotzdem war das für mich keine Selbstverständlichkeit, da viele der Leute mit denen wir arbeiten durch langjährigen Drogenkonsum so starke Schäden davongetragen haben, dass sie sich oft nicht mal an die Namen der langjährigen Mitarbeiter erinnern.
Ein weiteres, diesmal eher ernstes Beispiel, ist eine Situationen die sich in der Gruppe der Leones abgespielt hat. Nachdem wir die tägliche „clase“ beendet hatten, und gerade den „refrigerio“ – Tee und Brot – austeilten, begann einer der Jungs ein Gespräch mit mir und Charlotte. Mit der Zeit hat sich dieses immer mehr zu einem Gespräch zwischen mir und ihm entwickelt – für bolivianische Jungs oder Männer ist es  oft schwer sich Frauen zu öffnen; das gilt für die Jungs von der Strasse noch mehr. Im Lauf des Gespräches ist er mir gegenüber jedoch immer ehrlicher geworden, und auch ich habe mir grösste Mühe gegeben, hilfreiche Beiträge zu leisten. Ich habe erfahren dass seine Frau sich mit seinem Sohn in einem Heim befinde, er sie jedoch nicht besuchen dürfe, da ein schlechter Einfluss von seiner Seite befürchtet wird. Er erzählte, dass er um seine Kinder (er hat ausserdem eine Tochter, die bei Verwandten wohnt) wiedersehen zu können schon Arbeit und eine Wohnung gefunden hatte, es jedoch in der Einsamkeit nicht ausgehalten habe und auf die Strasse zurück gekehrt sei. Er habe das Gefühl, seine Freunde nicht im Stich lassen zu können.
Dass er auch nach diesem Tag immer wieder das Gespräch mit mir gesucht hat, heute arbeitet, spart, eine Wohnung sucht und seinen Kindern diverse Weihnachtsgeschenke gekauft hat, zeigt mir, dass ich wenigstens etwas bewirken konnte.
 
Dieser Beneficiario, und auch das Mädchen aus dem Krankenhaus sind damit zwei derer, in die ich sehr grosses Vertrauen und Hoffnung setzte. Man muss nämlich auch ehrlich sagen, dass es viele Strassenbewohner gibt, die ihre Situation offensichtlich nie wirklich werden ändern können. Für viele von ihnen bedeutet das relativ bald auf der Strasse zu sterben. Und auch wenn solche Aussagen hart klingen, so muss man in solchen Fällen auch sorgsam überlegen, auf welche Beneficiarios man seine eingeschränkte Arbeitszeit konzentriert, und mit wem man sich nur bedingt beschäftigt, da bei vielen der grundsätzliche Wille zur Veränderung fehlt.
 
Solche Gedanken sind manchmal schwer zu bewältigen. Zum einen gilt es, sich manche Entwicklungen nicht zu sehr zu Herzen zu nehmen, um unter den gleichen Bedingungen weiter arbeiten zu können. Andererseits will man auch nicht abstumpfen und gefühllos agieren. So komme ich mit realen Geschichten von Prostitution, Vergewaltigung und Tod meist recht gut klar. Auch das manchmal erschreckende Aussehen unserer „Jungs“ habe ich zu akzeptieren gelernt. Es gibt nur wenige Situationen, in denen ich über die Umstände verzweifelt bin. Oft hängt das an wenigen Augenblicken, die einem vor Augen führen, was man da gerade wirklich erlebt. Trotzdem sind auch oder gerade diese Erlebnisse Teil der Arbeit und der Erfahrungen die wir hier sammeln.
 
Mit meinem Projekt bin ich also insgesamt sehr zufrieden. Auch einige kleinere, zum teil sehr „bolivianische“ Probleme können diesen Eindruck nicht trüben.Ich finde mich in meiner Rolle gut zu Recht, und habe auch das Gefühl das mein Beitrag nützlich ist, und so auch von Team und Beneficiarios geschätzt wird. Auch unser Projekt erscheint mir wichtig, sinnvoll und wirksam zu sein. Allein um den „Jungs“ zu zeigen, dass sich jemand um sie kümmert und sorgt und es einen Sinn darin gibt, sein Leben zu ändern, sollte das Projekt aufrecht erhalten werden.
 
Das hat mir auch meine Arbeit im Casa Esperanza, wo ich die Kollektiv-Ferien des fest angestellten Personals verbracht habe, gezeigt. Dort hatte ich teilweise das Gefühl, nicht wirklich gebraucht zu werden. Die Kinder haben uns kaum respektiert, auch wenn sie uns sehr wohl gemocht haben. Oft haben sie den ganzen Tag vor dem Fernseher verbracht und liessen sich nur schwer dazu bewegen, etwas zu spielen oder sich anderweitig zu beschäftigen. Das mag sicher auch an der Ferienzeit und dem dadurch begründeten Fehlen von Schulaufgaben und anderen Pflichten liegen, ich finden aber trotzdem, dass sich die Arbeitskraft und Motivation der Voluntäere in dieser Zeit sicherlich deutlich besser nutzen liesse.
Ein weiterer Punkt, über den ich mir etwas kritischer Gedanken gemacht habe sind die – zumindest in diesem Jahr – häufigen Personalwechsel innerhalb der Fundación. Oft werden Mitarbeiter trotz Fehlverhalten nicht entlassen, sondern nur in andere Projekte versetzt. Dies ist zwar die menschenfeundlichere Lösung, führt aber oft dazu, dass die Fundación lange ungeeignetes Personal „mitschleift“. Andere Mitarbeiter werden hingegen aus finanziellen Gründen nur mit Kurzverträgen ausgestattet und dann trotz guter Leistung nicht weiter beschäftigt. So verpasst die Fundación zum Teil die Möglichkeit ihre Arbeit qualitativ zu verbessern.
Vor allem nach dem Zwischenseminar in Santa Cruz sehe ich die Fundación jedoch mehr als positiv. Die Organisation ist im Vergleich zu anderen Institutionen vorbildlich, sowie auch die Akzeptanz und der Einsatz der Voluntäre, das Spektrum der Projekte und die relative Profesionalität der Arbeit. Ich habe das Gefühl, dass Geld und Arbeit die von allen Beteiligten investiert werden gut an die Bedürftigen weitergegeben werden.
 
Das Zwischenseminar war auch neben diesen Erkenntnissen sehr hilfreich, so dass ich es für nachfolgende Voluntärsgenerationen nur empfehlen kann. Besonders zu zwei Punkten hat es mich sehr zum Nachdenken angeregt: Zu meiner persönlichen Entwicklung während des Aufenthaltes und zu meiner Zukunft.
Neben relativ grundlegenden Punkte meiner Entwicklung wie der verbesserten Sprache, ist mir vor allem eine Veränderung bei meiner Motivation aufgefallen. Ehrlich zugegeben war mir diese bei meiner Anreise wahrscheinlich selbst nicht ganz klar. Der obligatorische Punkt „Menschen helfen“ war natürlich genauso vertreten wie der Punkt „Erfahrungen sammeln“. Was ich mir darunter vorzustellen hatte, hätte ich wohl nicht sagen können. Vor allem in der Anfangsphase, in der ich Familie und Freundin teils sehr vermisste, fiel es mir schwer herauszufinden, was ich eigentlich wirklich in Bolivien wollte. Durch die beschriebenen teils schweren und teils schönen Erlebnisse hier hat sich das jedoch völlig verändert. Meine Motivation ist mehr jetzt insofern klar, als dass ich mit der bestmöglichen Arbeit in meinem Projekt dazu Beitragen möchte, reale Veränderungen herbei zu führen. Ich möchte meine Zeit hier für mich und „meine“ Beneficiarios – vor allem im kommenden halben Jahr - bestmöglich nutzen. Gleichzeitig möchte ich aber auch so viel wie möglich von Bolivien und Südamerika sehen und von seinen Menschen und ihrer Lebensweise lernen.
 
Die Entwicklungen und Veränderung, die ich hier erlebt habe und erleben werde lassen mich auch darüber nachdenken, wie es sein wird, wenn ich nach Deutschlnd zurürckkehre. Wahrscheinlich werden sowohl ich als auch andere Zeit brauchen, sich an die „neue alte“ Situation zu gewöhnen. Einiges wird wohl nicht zu erklären oder verstehen sein, sodass ich auf solche Situationen vorbereitet sein muss.
 
Bis dahin werde ich die Zeit hier so geniessen, wie ich es bisher getan habe.
 
Michael Werner 

1 Kommentar 2.2.09 08:07, kommentieren

15.01.2009.: From G's to Gents

...hiess die Sendung, die ich als letzte in Santa Cruz als letzte geguckt habe. Das Zimmerfernsehen a hat aber auch sonst praechtiges geboten: Live-BAsketball auf espn, die fussball-sendung 'hallo, bundesliga' und deutsche welle.

aber mal unabhaengig von so wichtigen sachen wie fernsehen, umschreibe ich einfach mal das (zugegebenermasen nebensaechliche) Rahmenprogramm in Santa Cruz. Ueberhaupt da war ich naemlich wegen eines ca. 9-taegigen Zwischenseminars ausgerichtet von fid, einer Organisation, die sich speziell mit vor- und nachbereitung sowie durchgaengiger unterstuetzung freiwilliger im auslandsaufenthalt beschaeftigt. Wer jetzt denkt: '...oh, super ein tolles Seminar mit Selbstfindung, gemeinsamer Meditation und wirschen Laitpersonen.' ... der denkt, was ich am Anfang dachte. Auch der erste Blick auf einige andere Teilnehmer hat mich nicht grade besaenftigt.

Hiermit das offizielle Eingestaendnis: Ich habe mich komplett geirrt. Die Leute waren sehr, sehr interessant und sympathisch, das Seminar hilfreich und die Leiter kompetent. Asche uf mein Haupt, ich war engstirnig.

Somit zum akribischen Beschreibugsteil dieser Mail: Schon die reise nach Santa Cruz war aussergewoehnlich. Geplant war Bus, das Energebnis war Flugzeug, La Paz - trinidad (frag mich keiner wieso, mordsumweg...) - santa cruz. Die Strassen nach Santa Cruz waren naemlich, leider, unpassierbar.

Die weiteren Wirrungen unserer Wegfindung spar ich uns allen mal gutmuetig, lasst euch nur gesagt sein: Es war bolivianisch.

In Santa Cruz bin ich dann auch erstmal nur zusammen mit Charlotte, Ela und Linda eingetroffen. Laura, die vorher bereits in Cochabamba war, hat uns schon erwartet, Daniel, Max und Barbara sind am tag danach eingetroffen. Die Nacht haben wir dann zu fuenft in einem mittelgrosse Zimmer im dritten Stock verbracht, welches mit einem Ventilator bestueckt war. Der findet besondere Erwaehnung, weil er lebens notwendig war. Die Luftfeuchtigkeit in SC muss wohl bei circa 97,8 Porzent liegen, dei Temperaturen fallen nachts eher nur in Richtung  Grad. Zwar schoen, mal wieder anderes Wetter zu haben, als durchgaengige 8 Grad in La Paz, zum Schlafen aber sauheiss und -stickig.

Die Stadt Santa Cruz an sich hat mir gut gefallen. Viel 'typischer' suedamerikanisch (jedenfalls nach deutschen Vorstellungen) als La Paz oder Cochabamba. Mehr luftig bekleidete Leute, mehr gruen und Palmen und ein Hauptplatz der auch bis nachts um 0 noch brummt. Insgesamt also cool, aber: La Paz ist unschlagbar. ;P

 Am naechsten tag sollten wir uns dann im oertlichen Kolpinghaus (sehr schick, sehr klimatisiert, sehr gutes Essen) einfinden, und unsere Seminargruppe kennenlernen. Wie gesagt, ich war skeptisch. In der grossen Runde wurden dann erstmal Themenvorschlaege gesammelt, in kleineren Gruppen geordnet, und - wieder gemeinsam - ein ochenplan erstellt. Schon die Handhabung, dass das Seminar von den Teilnehmern bestimmt wird, hat mir sehr gut gefallen. Mitunter war die Entscheidungsfindung zwar etwas langwierig, aber so war sicher gestellt, dass jeder die Moeglichkeit hat, die woche nach seinen Vorstellungen mit zu gestalten.

Die folgenden Tage ging es dann in groesseren und kleineren Gruppen um die verschiedensten Dinge, die uns Frewillige beschaeftigen. Besonders im Gedaechtnis geblieben sind mir dabei die Einheiten zur Projektvorstellung, zur persoenlichen Entwicklung und das Gespraech zum Kulturschock.

Insgesamt hat mir das Seminar sehr gut geholfen, das letzte halbe Jahr (soviel ist schon rum - gut oder schlecht???) fuer mich persoenlich zu ordnen, mich mit einigen Realitaeten hier abzufinden und andere aus neuen Blickwinkeln zu sehen. Auch ueber meine rueckkehr nach Deutschland hab ich mir Gedanken machen koennen. Ich denke, dass ich diesen Faktor zum teil unterschaetzt habe. Viel wird davon abhaengen, wie sehr ich bereit bin, neue alte realitaeten in Deutschland zu akzeptieren, und wie viel Zeit ich dafuer bekomme.

Zu erwaehnen ist auch noch der Super-Ausflug, den wir alle gemeinsam unternommen haben. Im 'Mariposario' ('Schmetterlingshaus' - etwas ausserhalb von Santa Cruz) gab es neben Schmetterlingen, Papageien und Affen eine Superaussicht auf die dschungelartig anmutenden Waelder um Santa Cruz, Beachvolleyball und Fussball sowie coole kleine Schwimmbecken -  die natuerlich ausgiebig genutzt wurden. Mein persoenliches Mitbringsel: Fetter Sonnenbrand. Ich hab sowohl die Sonne in SC als schwaecher, als auch meine Sonnencreme al staerker eingeschaetzt... hmmm...

 

Zurueck nach La Paz zu kommen war komisch. Ich stecke irgendwie voll neuer Energie, will meine Zeit hier noch besser nutzen, und sehe einiges anders als vor anderthalb wochen. Andererseits hab ich beim Aussteigen aus dem Flugzeug,beim Einatmen der viel kaelteren Luft in el alto und beim Anblick des Chaoses auf den Strassen auch ganz deutlich gespuert, dass ich fuers erste wieder zu Hause bin.

 

Miguel

 

2 Kommentare 15.1.09 19:18, kommentieren

28.12.2008: Froeh-oehliche Weihnacht uuuuberall...

Jetzt ist Weihnachten also auch rum. Hm. War irgendwie... seltsam. Wir hattens eigentlich mit den Freunden recht nett, haben auch alles getan um uns von eventuellem Heimweh abzulenken, aber alles in allem wars (zumindest fuer mich)(natuerlich) einfach nicht das gleiche. Es ist irgendwie, als wuerde dieses Jahr einfach ohne Weihnachten zu Enden gehen.

Am 24. musste ich erstmal morgens arbeiten. Das war schon mal... ungewoehnlich. Die Jungs waren naemlich zu nem Fernseh-Sender eingeladen. Schien als wollte P.A.T. ordentlich sein Image aufpolieren. Egal, man nimmts gerne, wenn Geschenke fuer die Jungs  angeboten werden. Daselbst wurde draussen, auf der Strasse vor dem Sendergebaeude, eine kleine Buehne (mit tausend Cola-Werbungen) aufgebaut, und mit diversen Plastikstuehlchen ausgestattet. Die wurden dann recht zuegig besetzt (auch mit anderen Heimkindern, auch denen aus 'unserem' Maedchenheim).

Das ganze hat sich dann als maechtig aetzender Kinderfasching entpuppt. Die Fernsehmoderatoren haben ausgesehen, wie Mumien auf Speed, und der Einfallsreichtum des Senders hat sich auch 3 Stunden Spontan-Tanzwettbewerbe zwischen verschiedenen Kindern beschraenkt. Als Gewinne gabs Holzautos, Puppen sowie Cola, Toby-(frag mir nich wer datt is...)-Hamburger und noch irgendwas gesponsertes, glaub ich... Ausserdem haben noch Bands von der Qualitaet der Venga Boys gespielt. Den Kindern hats gefallen, uns Voluntaeren ab dem Zeitpunkt als Max auf der Buehne (und damit live im fernsehen) mit Santa Claus und der weiblichen Mumie tanzen musste, auch.

Dann hatten wir aber nachmittags frei. Nachdem die letzten Geschenke besorgt waren (Wiehnachtscd wurde auch noch erstanden!) wurde dann auf Anrufe aus der Heimat gewartet. Der von meinen Eltern hat mich ehrlich gesagt schon ziemlich mitgenommen.

Abends gings dann in die Messe. Die war zuerst witzig, und dann nett. Witzig, weil Kevin Kuranyi unser Pfarrer war. Wir haben schon geschmunzelt als er reingekommen ist, aber als er dann auch noch entsprechend gelispelt hat, waren wir doch ein wenig von der Messe abgelenkt . Danach wurdes dann nett. Es gab einen (filmreifen) Kinderchor mit Nikolausmuetze, ne mehr oder weniger ansprechende Predigt, und insgesamt sehr familieaere und lebhafte Stimmung. (Scheint hier auch so zu sein, dass die Fuerbitten - die auf dem liedzettel standen - einfach abwechselnd von irgendjemandem aus der Gemeinde vorgetragen werden. Cool. Und ne Friedensgruss gabs auch.)

Danach haben wir dann noch Tortillas geschmaust und den Abend mit dem ein oder anderen Heissgetraenk mit Schuss und Spielen ausklingen lassen.

Am 25 hatten wir dann frei. Schoenes Gefuehl, vor allem weils fuer mich zum ersten Mal keine Weihnachtsferien gab... Am Abend haben wir jedenfalls alle zusammen Schnitzel gegessen, Geschenke verteilt und wiederrum zusammengesessen. Wurde dann irgendwann recht voll im Bauch, vor allem weil wir vorher schon mit den anderen Voluntaeren Kaffe und Wichtelgeschenke ausgetauscht hatten. (meine Beute uebrigens: ein fettes, fettes 'LLAMA'-Shirt (als Puma-Nachmache), nen Rucksack, und diverse echt nette Karten und Kleinigkeiten. Geschenkt habe ich 'n Wrestlerhandtuch, nen Klo-Stopfer und aehnliche Karten und Kleinigkeiten. Die Freude war allseits gross.

Der 26. war dann wieder Arbeitstag. Mit den Jungs gings zum 'Haus des Weihnachtsmannes'. Gesponsert von Coca-Cola. Hr.Broich haette seine helle Freude daran gehabt.

Ich hab dann zuerst auch gedacht, die Jungs faendens total doof. Spaetestens als einer dann am Schluss den 'Weihnachtsmann' umarmt hat, war ich eines besseren belehrt. Selbst die grossen waren irgendwie beeindruckt.

Abends waren schlussendlich auch noch im deutschen Restaurant. Ein dunkles Erdinger, 2 Leberkaesbroetchen, ein Pfeffersteak und einen Jaegermeister spaeter war Weihnachten dann auch schon vorbei. Wie gesagt, ich kann deutlich weniger klagen als ich dachte.

 

Miguel

 

(Ps.: Ich bin jetzt cool. Hab mir zu Weihnachten 'ne Lederjacke geschenkt.)

(Pps.: Und 'n Canada-Eishockeytrikot. Hatte ich das erwaehnt?) 

28.12.08 19:47, kommentieren

14.12.2008: Die Incas sind ein Haufen Wahnsinniger

Aber von vorne. Wie angekuendigt hab ich mich also vom 28.11. bis 2.12. nach Peru; sprich Cusco un Machu Picchu begeben. Und zwar mit dem us, 12 Stunden lang. War aber weniger anstrengend als zu vermuten gewesen waere, etwas unangenhem war nur, dass mir mein Rucksack mit meiner Brille (und einigem weiteren Kram drin) gestohlen wurde. An der Grenze, die wir zu Fuss und Formulare ausfuellend ueberqueren mussten. Da der Fahrer aber gesagt hatte: Lasst eure Sachen im Bus, ist sicherer, (was wir sonst nie gemacht ahetten), krieg ich vllt. (hoffentlich) wenigstens nen neuen Rucksack und ne neue Brille gezahlt. Nach Boli-Preisen. Stark, macht etwa 10 % des Werts aus.

Aber naja, das hat mir den Spass am Ausflug dann (erstmal) noch nicht verderben koennen. Nach der Ankunft sind wir dann sofort ins Hostal 'El Inca' (oho, da hat sich abe jemand was einfallen lassen. Zum Glueck heisst in Cusco nicht jede Currywurstbude 'Zum Inka'...) und haben uns niedergelegt. (Mit dabei waren uebrigens Charlotte, Ela, Rosario und eine Freundin von Svende. Svende selbst schlummerte bei ihrer frueheren Gastfamily.) Am naechsten Tag wurde dann erstmal (mit eeetwas Verspaetung) Cusco beugtachtet. Dabei gings in ne (fett mit Gold ausgestattete) Kirche und zu einem Kunsthandwerkmarkt. Fazit: Cusco ist schoen, stoerend is aber das das kunsthandwerk zwar typisch perunaisch ist, aber in La Paz genauso nur billiger zu haben ist. Ausserdem wird man auf der strasse dauernd angelabert ob man 'Massaasch' (=Massage) haben will. Natuerlich auf Englisch. Weil alle Gringos dumm sind, und kein Spanisch koennen. (Naja, die Touris hier vermitteln den Eindruck auch irgendwie...)

Ausserdem: Der Peruaner an sich bemaechtigt sich gern der Dinge anderer. So auch meiner Kamera. Dankeschoen. Wurde mir im restaurant aus der jackeninnentasche die zwischen dem Stuhl und der Wand eingeklemmt war gestohlen. Ich weiss echt nicht wie.

Das hat meine Stimmung dann zwar schon etwas zu nichte gemacht, aber abends gings dnn trotz allem nach Machu Picchu. Hingefahren sind wir mit dem Bus, nem etwas kleineren Bus und schlussendlich dann mit dem bekannten Zug. Uebernachtet wurde (leider nur bis 4 und erst ab 12) im Dorf 'Aguas Calientes' am Fuss des Machu Picchu-Berges. Am naechsten tag gings dann direkt mit dem Bus hoch.

Der Start der 'Expedition' war dann etwas ueberschattet. Zuerst mal war es so neblig, dass man in dem engen Tal den naechsten berg nicht gesehen hat... Dann waren wir oben, und hatten nur Dollar (weil im Prospekt ein Dollarpreis stand), mussten aber in Soles bezahlen... Und schlussnedlich mussten wir auch noch die nicht ausgeschilderte kasse suchen.

Wen juckts, nach den Strapazen gings dann rein, und der ersten Blick auf di Stadt im Nebel war zwar vom unteren rechten Rand, aber mit dem Nebel schon sehr beeindruckend. Wir sind dann trotz des nebels direkt auf den benachbarten Huayna Picchu (der Berg den man auf dem Standard-Foto rechts hinter der Stadt sieht). Das war die beste Entscheidung des tages. Zwar haben die incas stufen fuer leute mit 2 Meter langen beinen aber schuhgroesse 25 gebaut, aber der Aufstieg war durch den Nebel irgendwie mystisch. Und oben angekommen zu sein hat einen nach der Anstrengung (die fuer  uns 'Paceños' nicht so schwer war wie fuer die anderen Gringos) schon stolz gemacht.

Oben waren dann nur 20 Leute auf einer kleinen Plattform, da dank des nebels niemand hochwollte. Und wir mussten auch erstmal noch ne Weile in ne Nebelwand starren, bis irgendwann immer mehr der umliegenden Berge aus dem Nebel gestiegen sind. Und dann irgendwann die Stadt selber; zuerst nur nach und nach, dann komplett. ICh haette mir ehrlich gesagt nicht vorstellen koennen, dass das wirklich so schoen ist. ICh kann jedem nur raten alle zu ignorieren, die sagen Machu Picchu waer nicht so toll und viel zu touristisch. Ich hab in meinem Leben noch nichts beeindruckenderes gesehen.

Auch danach haben wir noch viel interessantes gesehen. Auf mich hat die Stadt auch irgendwie lebendig gewirkt. Und das, kombiniert mit der Lage der Stadt zwischen den dicht bewaldeten Bergen, hat das ganze Erlbenis richtig toll gemacht. Das konnten dann auch nicht die (zugegebenermasen nervigen) Massen von leuten nicht zerstoeren.

Unter ihnen waren uebrigens auch einige herren der argentinischen Luftwaffe. Die jenigen die spanisch koennen, werden an ihrem ausspruch: 'Anda a la concha peluda de tu hermana' erkennen, das man sich dort gerne etwas groeber ausdrueckt...

Das letzte Highlight der Reise (neben meinem Trikotkauf des Cusco-Vereins 'Cienciano') war dann die Entdeckung, dass es in Cusco einen Mecces nach deutschen Standards gibt (alle Fastfoodhasser moegen mir verzeihen...). Die Insider unter euch werden wissen, was mir das fuer eine Freude bereitet hat. Ich denke ich hab alle Rekorde an verschlungenen Kalorien gebrochen.

Ich hoffe sehr dass ich mich vor Weihnachten nochmal hier melden kann. Wenn nicht, dann wuensche ich allen die auch sonst nichts mehr von mir hoeren frohe Weihnachten und ein gutes Neues Jahr.

Euer Joel Osment

(So seh ich jetzt (neuerdings wieder ohne Bart) naemlich wieder aus. Ich friere im Gesicht...) 

1 Kommentar 14.12.08 19:32, kommentieren