23.11.2008 ...warum eigentlich?

...ja, warum schreib ich eigentlich? So viel gibts nicht zu erzaehlen, glaub ich... Aber anderersits seh ich mit Schrecken, ich schreibe das letzte Mal am 20. ...Oktober. Okay, kann man sich ja mal wieder was aus der Nase ziehen.

 Zuerstmal - wenn ihr am Schrieb was auszusetzen habt... Ich bin noch etwas angeschlagen. Freitag/Samstag war ich mehr oder weniger krank, und Samstagabend, als es dann besser ging, wurde Evas Geburtstag gefeiert. Wir waren sehr gluecklich ueber diesen Anlass...

 Naja, wie gesagt, was so richtig besonderes hat sich eigentlich nicht getan. Meine Arbeit entwickelt sich jedoch langsam in eine etwas andere Richtung. Ich bin jetzt oefters nicht mit auf der Strasse dabei, dafuer mach ich mehr Hausbesuche, bring Medikamente oder Untersuchungsergebnisse ins Krankenhaus oder gucken wies bei verschiedenen im Krankenhaus laeuft. Da fehlt dann oft die Zeit fuer die Strasse. Trotzdem bin ich immer noch zufrieden, ich hab halt immer schoen was zu tun [regelmaessig auch ueber die eigentliche Arbeitszeit hinaus] und lerne echt viele verschiedene Sachen kennen. Und obwohl meine Chefin doch des oefteren mal rummault [alles was verschwindet hatte ich, alles was nicht gemacht wurde war meine Aufgabe...].

 

In manchen Momenten belastet mich das dann aber schon n bisschen [komme jetzt uebrigens doch zu was besonderem]. Beispiel ist davon die Situation vor einigen Wochen, als einer der Strassenjungs gestorben ist. Wie Veronica, die auch im Krankenhaus liegt hatte er TB und wahrscheinlich auch HIV [Schnelltest], was Charlotte und mich dazu motiviert hat, eine allgemeine Testreihe in den Strasengruppen anzuregen. Reaktion meiner Chefin darauf war mir mehr als unverstaendlich - wir wuerden uebertreiben.

Erstens sei HIV keine Krankheit, sondern nur ein Virus, also keine Panik. Dann haettens ja auch nur zwei, und Vero sei auch gar nicht so lang in der gleichen Gruppe gewesen wie [der verstorbene] Franklin. Und bei dem weis mans ja nicht.

Dazu muss man wissen, dass die Treuesituation auf der Strasse eher so lala ist. Das heisst grade solche Krankheiten/Viren/Infektionen/wasweissich verbreiten sich recht gut, da auch eine allgemeine Verhuetungsallergie herrscht. 

Als wir weiterhin darauf bestanden haben, dass die Tests wichtig sind, hat meine Chefin dann gesagt, sie faende es nicht gut, wenn wir die Leute auf der Strasse nicht mehr wie Menschen behandeln wuerden... ??? Wir wuerden sie nur als Gafahr fuer uns sehen, wuerden sie nur als AIDS-Warnzeichen verwenden.

Das hat mich schon getroffen. Aber ehrlich gesagt ist sie halt so, manchmal hat sie Ausfaelle, aber eigentlich verstehen wir uns gut.

 

Hab ich also doch noch was zu schreiben gefunden. Morgen gehts mit den Voluntaeren auf Ausflug, und ab Freitag dann schon nach Cusco und Machu Picchu in Peru. Freu ich mich schon maechtig drauf. Jetzt hoff ich erstmal das Isabel beim skypen meinen Kater nicht so herb bemerkt...

Achja, dank Bart mach ich wohl den Weihnachstmann in einem oder mehreren Heimen...

 

Hohoho!

 

23.11.08 20:45, kommentieren

Werbung


20.10.2008 (2): Cochabamba hat den groessten!

Hierbei handelt es sich natuerlich um den groessten Jesus aus weissem Stein, ihr Schmutzfinken. Aehnlich wie in Rio (nur natuerlich deutlich schoener) hat man den Koloss auf nem Berg platziert, wo er goennerhaft die Arme ausbreitet. Schon ziemlich beeindruckend, vor allem vom Fuss aus des Barttraegers aus (ueberigens habe ich mich ihm wieder angeschlossen - bartmaessig meine ich). Genauso die Aussicht auf Cochabamba vom Jesus-Berg aus (immerhin ca. 600000 Einwohner - nach Angaben des Bolivianers Neko, der uns begleitet hat). 

-Doof nur dass wir nach dem Aufstieg zu Fuss erstmal 'ne Viertelstunde gebraucht haben, bis wir wieder klar sehen konnten-

Aber von vorne: Vom 15. (Fr.) bis zum 17. (So) waren wir in Cochabamba, zwecks Voluntaersaktivitaet. Los gings Donnerstagabend um 11, nach 7 Stunden Nachtsbusfahrt waren wir dann um halb 6 in Cochabmaba, und um 6 im (eher spaerlich eingerichteten, aber sauberen) Hostal. Die Bilanz der Fahrt: 2 verlorene Jacken und ein enorm schlechter Kriegsfilm (RTL2 wuerde sich die Finger danach lecken).

NAch dem wir im Hostal noch mal 3 Stunden gedoest haben, gings dann zum Fruehstueck und auf Jesus rauf. Wies da war wisst ihr ja schon. Zum Essen: Uns wurde gesagt, man koenne in Cochabamba gut fuer 15 Bolis essen. Den Brotkrusten-Outlet-Store haben wir leider nicht gefunden, bei uns war schon das Fruehstueck 25 Bolis wert.

Nach Jesus zogs uns dann auf den Billigmarkt, wo Max, Daniel und Ich etwa 7 Zillionen Kleidungsstuecke ausgespechtet hatten, und im Endeffekt mit nem Pulli, zwei T-Shirts und ner Jeans abgezogen sind. Jeans und Shirt gabs fuer mich (man erinnert sich, ein Hund hatte sich meiner Wade angenaehert) - insgesamt hab ich 32 Euro gezahlt. Kann man mit Leben.

Nachdem der Freitagabend eher ein Reinfall war, sind wir (besagte Jungs + Sophie,Eva,Linda und Julia) samstags ins Schwimmbad. Darf man sich nicht so wie in D vorstellen. Chlor im Wasser gibts nicht, dafuer Grass, das Becken ist deutlich kleiner und wird nur zur Haelfte genutzt, da der tiefe Teil die meisten Bolivianer das Leben kosten wuerde. Trotzdem witzig. Neben der Schwimmerei haben wir uns auch noch von einigen Bolivianern 1-1 nach Fussballspielen getrennt und die Sauna nach den hoerbaren Flatulenzen eines ortsansaessigen Priesters aus Deutschland wieder verlassen.

Abends gings dann wieder weg. Jedem der Mal nach Cocha kommt, kann ich die Shotbar Cerebritos empfehlen. Die 3,60 E die ich da ausgegeben habe, haben mich bis halb 5 lustig gehalten.

Am naechsten Tag gings dann, diesmal 8 Stunden lang und von zwei haarstraeubenden Filmen bereichert, wieder nach Hause.

Wo ich jetzt bin.

Und nicht arbeite, da in der Stadt grade Demos Stadt finden, die uns den Heimweg 'erschwert' haetten. Anlaesslich der letzten Wahl, der neuen Verfassung und wahrscheinlich weils einfach auch mal wieder Zeit war, hat sich die Landbevoelkerung naemlich entschlossen, ueber Wochen nach La Paz zu marschieren (daher der Name ' Marcha ') und ein wenig Krawall zu machen. Alkohol und Boeller gehoeren da genauso dazu, wie die Tatsache, dass bei manchen Demos ein Teil der Leute fuers Demonstrieren von den Machthabern bezahlt wird.

Naja, wie gesagt, Bolivien und so...

Vergesst nicht den Muell rauszubringen!

 Mal ab davon: Seit dem 26. gibts 2 neue Fotos, dann hat der Pc gestreikt... Hoffentlich bald mehr.

1 Kommentar 20.10.08 19:29, kommentieren

20.10.2008: Hmmmm.....

Sooo. Heute wieder zwei Eintraege, hiermit gibbet den ersten ueber unsere 'Convivencia' des Calle-Projekts mit der ersten Strassengruppe.

Wie in den naechsten Wochen mit den anderen auch, sind wir also am Mittwoch zum ersten Mal mit einer Strassengruppe (die 'Leones' unter ihnen Oscar, Edna und Ovidio - Efraim der alte Haudegen musste leider passen) nach Jupapina gefahren. Bei Jupapina handelt es sich um einen oasengleichen Ort mitten in den Bergen, der anscheinend irgendwie detr Fundacion gehoert, mit ihr in Verbindung steht oder einfach besetzt wurde. Bei den Erklaerungen meiner Chefs weiss man das nie so genau.

Da angekommen, haben wir dann verschieden 'Talleres' - also Vortraege oder aehnlich - gehalten und gehoert, zusammen mittag gegessen, nen Lehrreichen Film (Forrest Gump) geguckt und Fussball gespielt. Insgesamt ne feine Sache.

Zum Ende hin haben die Jungs dann immer mehr Probleme mit dem Alkoholmangel gekriegt. Fast alle waren wahnsinnig schwach, der Aufstieg auf den Hausberg war fuer manche unmoeglich. Schon beim Film sind viele eingeschlafen und vor und direkt nach der heimfahrt haben diverse gekotzt.

Das war dann wieder mal echt beeindruckend (im negativen Sinn).

Danach musste ich noch ins Krankenhaus, eine von der Strasse ins Torax-Fachinstitut bringen. Tuberkulose. Und da ise nicht oder nur wenig an Schule usw. teilnimmt, ueber 18 ist und die Therapie schon einmal abgebrochen hat, ist nicht klar wer dafuer aufkommt. TB-Medikamente sind zwar kostenlos, aber Aufenthalt und andere medikamente...

Das sind dann manchmal solche Momente, in denen man sich wahnsinnig ueber alles hier aergert. Dass nie ein Verantwortlicher da zu sein scheint, dass niemand vorher drueber nachdenkt, den Voluntaer ueber irgendwas zu informieren, dass alles immer so ewig dauert.... Naja, so was gibts halt mal. 

 

Nichts destotrotz moechte ich herzlich meine Tante Hilde aus Eisenhuettenstadt gruessen, uind daran erinnern, dass Fifi gefuettert werden muss.

1 Kommentar 20.10.08 18:57, kommentieren

05.10.2008: Wir ham den Derbysieg, der uns am Herzen liegt!

...bezogen jetzt fuer meine Verhaeltnisse ausnahmsweise mal nicht auf Eishockey, sondern auf Volleyball. In der Sportart hat naemlich am samstag (also fuer die Trunkenbolde unter euch: gestern) dass Turnier der Projekte der Fundacion angefangen, an dem mein Projekt mit mir auch teilnimmt. Und wie schon gesagt: Wir ham den Derbysieg. Nach einem 26:24 und 25:19 hat 'mein' Projekt (Apoyo Educativo / Escuella Calle) das Projekt meines Zimmernachbarn Max (Trabajadores) besiegt. Das werd ich ihm auch nur noch 487 mal sagen... :D

Ansosnten war die Woche ganz in Ordnung. Die Arbeit geht an sich jetzt schneller rum, ueber die ersten Heimwehwellen bin ich anscheinend weg. Obwohl ich immer noch ordentlich arbeiten muss, diese Woche war ich z.B. zwei Abende lang bis etwa 10 uhr auf einem Seminar zur Sensibilisierung im Umgang mit Strassenpopulation. Im Endeffekt hat er (der Vortraeger) uns nicht viel Neues erzaehlt, sondern vor allem am ersten Abend eeetwas zu oft den Bezug zu Russland hergestellt... (ja, hab ich mich auch gefragt). Insgesamt hat er sehr oft betont, dass es Strassenkinder ueberall gibt, und dass die Wirtschaft einen Grossteil der Schuld traegt. Fand ich dann nicht sooo toll, weil dass meiner meinung nach zu verdraengung fuehrt. So war das was sich meine Mitarbeiter am ehesten vom Referat gemerkt haben, dass es anscheinend auch in Deutschland so ist wie hier (wasn Quatsch).

Drittens will ich dann nochmal erwaehnen, dass ich unter uns allen wahrscheinlich der einzige anstaendige Patriot bin, denn waehrend ihr euch nur den feiertag als lustigen Sauftag eingerichtet hab, war ich beim deutschen Botschafter eingeladen. Obwohl er ungefaehr so gut Spanisch spricht wie ich (was zwar eigentlich ganz anstaendig ist  - nen Botschafter aber doch beschaemen sollte)    hat er sich ne nette kleine huette mit garten eingerichtet, die wahrscheinlich ungefaehr den Wert des bolivianischen Staatsvermoegens ausmacht. Eingeladen waren dann auch eher nur Wirtschaftsbosse, Ex-Praesidenten und der Dj von Blumentopf (im Ernst...). Wir waren auch eigentlich nicht so ausdruecklich erwuenscht, im nachinein scheints eher so, dass der padre uns einfach auf seine Einladung mit draufgepackt hat. An sich ne feine Sache, Grillwurst hatte ich schon genauso lang nicht mehr wie Kartoffelsalat oder Gulaschsuppe. Witzig war dann vor allem wie der bolivianische Tenor  die Vokale in unserer nationalhymne betont hat, und dass die Bolivianer (wenigstens die irren Militaertypen) zu ihrer Hymne nicht nur die hand auf der Brust, sonder auch die Faust in der Luft platzieren. Wirkt etwas martialisch...

 

Ich persoenlich werd dann uebrigens jetzt Scoprpions-Fan (Band, nicht Mannschaft). Die geben hier naemlich bald mal ein Konzert. Ab hin!

 

Herzlichste Gruesse, euer Jimbob Miller.   

1 Kommentar 5.10.08 19:34, kommentieren

28.09.2008: heute hab ich die Spendierhosen an...

na, der letzte war ja jetzt nich grade ein EIntrag der vor Infos nur so strotze, also gewaehr ich euch noch einen Exklusivblick in mein Leben. Gleich bei 'RTL2 - Die Grossfamilienauswandererfrauenshow ... 2'.

Wie gesagt, in letzter Zeit haben sich einige kleine Sachen angesammelt, die ich jetzt einfach mal so aufzaehle.

Der Knueller am Anfang: Hier schifft jeder einfach ueberall hin... Letztens hat vor unserem Hauptgebaeude ein Maedel seiner Mama so lange 'Piiiiiiis,piiiiiiis' (ja heisst hier auch so) zu gerufen, bis Muttern ihr empfohlen hat, auf der anderen Strassenseite ans naechstbeste Auto zu strullen. Gesagt getan. Ein anderer hat das galanter geloest. Um nicht unzivilisiert zu wirken, Hat er durch einen Schlitz im Wellblechzaun seine Scham bedeckend auf eine Baustelle uriniert. Die Vorstellung wie das von der anderen Seite ausgesehen haben muss beglueckt mich immer wieder.

Weiterhin gibts hier lustige Trinkpaeckchen, die man an Strassenstaenden fuer -bei euch - 5Cent kaufen kann. Eigentlich nur Plastiktueten mit keunstlichen Fruchtsaeften, der Spass dran ist in die Tueten ein loch zu nagen und das Zeug genuesslich zu nuckeln. Ich bin suechtig, So wie viele (auch erwachsene ) Bolivianer.

Weniger lustig sind diverse Sachen, die ich in letzter Zeit so auf der Strasse erlebe:

Angefangen hat das damit, dass eines tages einer der jungs, die eigentlich arbbeiten und ein eigenes Zimmer haben wir auf der Strasse  rumgestrolcht ist. Darauf angesprochen, hat er mit Traenen in den Augen erzaehlt, dass er seine freunde nicht im Stich lassen kann, und es nicht aushaelt abends in seinem dunklen Zimmer alleine zu sein. Nicht grade toll, seine frau wird naemlich in ihrem rehazentrum bewusst von ihm ferngehalten, weil er naemlich schon zum tausendsten Mal nen Strassenrueckfall hatte.

Das naechste war dann, dass mir ein anderer nach mehrmaliger Nachfrage berichtet hat (diesmal richtig unter traenen (das heisst bei den Strassenjungs was, heulen ist nicht so besonders maennlich hier...)) dass er seit tagen nicht wisse wo seine Frau ist. Von den Vorbereitungen der Beerdigung ihres Vaters sei sie mit Tochter nicht zurueckgekehrt.Als ich das voll des mitleids im projekt berichtet hab, wurde mir die Info zu Teil, dass die Frau nicht umsonst abgehauen ist. Der besorgte Ehemann scheint zwar sehr liebend, wird aber im Suff aber auch gerne Mal gewalttaetig. Super Situation, Grossmaul Werner hat versprochen bei der Suche zu helfen.

 

Das, was mich dann eindeutig am meisten, laengsten und schwersten beeindruckt hat, war der Fall eines mannes der schon seit jahren auf der Strasse lebt. Als er gesagt hat, er wolle ins Heim, um gesud und normal zu werden, haben wir ihn natuerlich dirket mit ins Casa de paso geschleppt. Da er fuers Jungenheim zu alt ist, wollten wir ihn nach aerztklicher Untersuchung ueberweisen. Die Untersuchung war dann gelinde gesagt hart. Er hatte nicht nur eine gehirn-Op, nen Nasenbeinbruch, nen Nierenschaden und ne akute Cholik, sondern seit der Op auch 40kg bei 165cm groesse, sowie den verdacht auf Tuberkulose und AIDS. Als ihm der bauch abgetastet wurde, sah er exakt aus, wie die voellig unterernaehrten afrikanischen kinder auf Brot fuer die welt plakaten. Danach hab ich ausnahmsweise mal stunden lang mit den traenen gekaempft (kann ich mir hier naemlich auch nicht leisten, ich denke das waere schon ein respektsverlust bei den jungs). Die Tests haben dann ergeben, dass er nur Tb hat, und sogar in ein Zentrum kommt.

Was mich ehrlich gesagt verwundert. Dass mag jetzt hart klingen, aber wenn die Leute zu krank sind, werden sie anscheinend auch schon mal abgewiesen. Die Logik dahinter ist, dass zB TB jetzt monatelang behandelt werden muss. Der mann von der Strasse zahlt das sicher nicht. Und wenn man fuer sagen wir mal 1000 Euro 5 andere einfach von ihrer Unterernaehrung/Drogensucht heilen kann... Mangel an zu Heilenden ist hier jedenfalls nicht.

Dass wars edann jetzt aber, ich mach mich derweil mal auf Unissuche. Begleuckt kann ich noch konstatieren: Iserlohn:Kassel nach 40 Minuten 4:1. Liest sich schik.

Tom Bombadil 

 

2 Kommentare 28.9.08 20:09, kommentieren

28.09.2008: Grosskopferte Steine gibts nicht nur auf den Osterinseln...

ICh stand vor der Wahl: Was findet ihr wohl interessanter, Urkulturausfluege, oder Geschichten aus dem tagtaeglichen Arbeitsnaehkaestchen...? ICh hab mich ufer euch fuer die uralten gememaeuer entschieden, dankt mir spaeter...

Am Dienstag (23.) gings also ab zu unserem zweiten Gruppenausflug, diesmal die Zentrale kultstaette der Urkultur Tiwanaku bespechten. Diverse Zungen (hauptsaechlñich bolivianische die inder naehe von tiwanaku wohnen, schaetze ich) sagen, dass hier die wiege der andenkulturen laege. Feine  sache also.

Die Besichtigung an sich war dann gepraegt von Licht und Schatten. Die Monoliten die die Andenjungs da gezimmert haben waren tatsaechlich echt interessant, genauso die Erklaerungen zu deren Symbolsprache. Der Haupttempel war noch nicht ganz ausgebudelt, aber die art und weiss wie si den zusammengebastelt haben,. ist auch trecht beeindruckend. Stellt sich halt die alte Pyramidenfrage: wie zur hoelle haben die die steine da hin gebracht. (aehnliche frage ueberigens auch bei ihrem Pimillionen langen Bewaesserungssystem.)

Andererseits hat dann im Museum der tausendste (als einzelstueck eigentlich recht interessanter) bemalte topp auch keinen mehr vom hocker gerissen.

 Insgesamt wars aber auf jedenfall ein gelungener ausflug. Die Landschulheimstimmung war kaum unterdrueckt (der spanischsprachige Kondukteur konnte unser 'Hoch auf unsern Busfahrer' wahrscheinlich nur bedingt wuerdigen...)

KArten hab ich auch gekauft, aml gucken an wen ich die sende. Seid also brav.

Euer Nick O. Laus

1 Kommentar 28.9.08 19:24, kommentieren

21.09.08: Auf einem Haufen Schrott 70 km in den Dschungel

Fuer diejenigen unter euch, die immer noch denken ich lebe in einer Bambushuette im Dschungel: Es gibt gute Nachrichten! ICh war jetzt wenigstens einmal auf Ausflug da, wo ihr mich seit 2 Monaten vermutet!!!

Hingekommen bin ich per Fahrrad. Isabel und die Familie haben vorher noch kurze Nachrichten bekommen, ich waere bald auf 'Fahrradtour'. Dass es sich dabei um die -nicht umsonst. sogenannte Todesstrasse handelt, hab ich erst mal bewusst verschwiegen. Mal soll seinen Lieben ja nicht zu viel zumuten.

Am Freitag morgen (ich hab mir frei genommen) gings alo um 8 Uhr los. Fahrraeder mit Max abholen, danach Treffen mit unserer Begleitung, Max Chef Zenon (oder so) und seine Freundin Montse. Darauf hin mit dem bus zum Startpunkt unserer Route.

Die Tour selber ging dann mit ca. 15km Asphaltstrasse bis zum Beginn der eigentlichen Todesstrasse  los. Die Aussicht auf die Berge - die jedoch immer noch wie im Hochland aussahen - war aber trotzdem schon genial. Das bewoelkte, lauwarme Wetter war zum Fahrradfahren perfekt. Handschuhe hatte ich natuerlich nicht dabei, am Ziel in Yolosa dafuer aber fette Blasen und zwischendurch blaue Finger.

Der Start Der Strecke hielt dann, was der Name versprach. Fuer Autos muss die Strasse toedlich sein, auch 64 Radler in 5 jahren (o.ä.) soll sie auch schon das Leben gekostet haben. Als sie noch mit dem Auto befahren wurde, gabs hier regelmaessig Tote, und politische Morde in der Diktaturzeit wurden zum Teil auch hier durchgefuehrt. Mit meistens 20-40 km/h gingen wir den ersten Teil erstmal vorsichtig an, an unserem ersten Stopp konnten wir dann zum ersten Mal die Dschungellandschaft ausgiebig betrachten. Das war schon der Wahnsinn. Auf einmal merkt man nochmal deutlich wo man ist: In diesem Land gibt es tatsaechlich Dschungel. Den gibts wirklich, nicht nur im Fernsehen, oder in Tropenhaeusern (obwohls sich da genauso anhoert...). Und wunderschoen wars dazu noch.

Die Pause hat dann aber nicht nur schoenes geboten: Nachdem mir schon vor der Todesstrase am einen Reifen das Ventil abgerissen war (fehler des vermieters) und wir im anderen Reifen tatsaechlich einen DOPPELT verknoteten Schlauch vorgefunden haben (Fehler des Vermieters), ist auf der Strecke dann auch noch die Schnellspann vorrichtung abgebrochen, sodass ich mit insgesamt eher wackliger Vorderachse den rest der Strecke deutlich langsamer als die anderen bewaeltigen musste. Insgesamt vielleicht gut, so konnte ich mich schon mal nicht ueberschaetzen und mich in Gefahr bringen. War auch so eine wirklich tolle erfahrung, habe den Ausblick auf die Yungas sehr genossen.

Nach insgesamt 6 Stunden, 70 km und 3000 Hoehenmetern kamen wir dann in Yolosa, dm Endpunkt der Todesstrasse an. Von dort wurden wir auf der Ladeflaeche eines Pickups mit Stangeaufbau stehend zum Urlaubsort Coroico gebracht. Viel abenteuerlicher als auf dem Gefaehrt im Dschungel vorbei an Brandrodung und Cocaplantagen fahrend kann man sich wohl nicht mehr fuehlen.

In Coroica haben wir dann direkt unser (von einem Schweizer gefuerhtes) Hotel bezogen. Sehr ruhig, sehr malerisch, und im Dunkeln mit ganz wenig Lichtern an den ggue. liegenden Haengen wunderschoen. Schweizer Akzent im Spanischen ist uebrigens auch nicht zu verachten. Nach Pasta zum Abendessen gings dann auh recht zackig zu Bett.

Am naechsten tag mussten wir dann in ein anders hotel umziehen, Zimmer gabs keine mehr. Vorher sollte der Vermieter noch die fahrraeder abholen. Nachdem er zwei Stunden zu spaet endlich da war, hat er mir dann in seiner Guete erlassen, den kaputten Schlauch zu zahlen. Bolivianer. Max musste aber fuer die (von Zenon) verlorene Sicherheitsreflektorweste satte 50 Bolis berappen. Bolivianer...(beide: Zenon und der Vermieter...).

Danach gings noch zum Mittagessen ins deusche (billige) Restaurant. Mal wieder gabs Kaesspaetzle (alle Schwabenhasser moegen mir verzeihen), von Linzer konnte ich mich grade so abhalten. Danach dann ins unendlich hoch gelegene Hotel mit ebenso wunderbarem Ausblick. Dort kurz abladen, dann in den etwas abgelegenen pool im Dickicht, wo wir nur zu viert waren - perfekt zum entspannen. Da fielen dann auch erstmals die Dschungeltiere auf - hier noch Schmetterlinge, gabs spaeter auch noch Spinnen, fette Grashuepfer und Fledermaeuse.

Am spaeten Nachmittag sind Max und ich - ganz Touristen - dann noch zu den bekannten Cascadas, den Wasserfaellen aufgebrochen. Der sympathische taxifahrer hat uns dabei diverses erzaehlt und uns in halsbrechereischer Geschwindigkeit ueber (auch nicht untoedliche) Schotterstrassen zum dritten -schoensten - Wasserfall manoevriert. Auch das: sehr beeindruckend.

Danach gabs fuer Max und mich dann noch Pizza, abends Kartenspielen (Zenon hat sich als ausgesprochener 31-versager geoutet) und am naechsten Tag vor der Abfhart noch Billard zu 4t.

Heute dann wiederkehr um 4, schnell noch Roosters gehoer (SIEG) und Kontakt nach Hause hergestellt.

Um Emails wird gebeten, ich geb mir mit Antworten alle Muehe. Demnaechst dann neues zur Strassenarbeit.

 

Bei Risiken und Nebenwirkungen, wenden sie die Packungsbeilage.

Ich

 

Achja, was ganz was neues: Es gibt Fotos!

28.2.05 17:13, kommentieren