Archiv

Zurueck in La Paz

Gerade sind wir nach abenteuerlichster Busfahrt (Die Strasse war so breit wie der Bus, und links nur von einem 20 Meter tiefen Abgrund begrenzt...) wieder in La Paz angekommen.

Die Zeit in Achocalla war was besonderes. Die Berge sind in der }Abgeschiedenheit noch beeindruckender, besonders der 6800 Meter hohe (?) Illimani hat Lust auf Ausfluege gemacht.

Auch die Vorstellung der Projekte durch die Coordinadores war sehr interessant. Ideen was ich amchen will hab ich jetzt viele, genaueres gibt es noch nicht. Sicher ist aber nur das es zu Situationen kommen wird, in denen mich die Projektarbeit - egal wo - ueberwaeltigen wird. Schon jetzt kommen mir die Verhaeltnisse in Deutschland protzig vor, ich denke dass der tiefere Einblick in das Leben der Bolivianos den Eindruck noch verstaerken wird.

Trotzdem sind nicht etwa alle nur zu bemitleiden. Wie die Leute mit ihrer Lebenssiuation umgehe ist unglaublich. Es scheint gar nicht, als wuerden sie ihr Leben als schwer wahrnehmen. Sie geniessen das was sie haben, und wenn es noch so wenig ist. Sie wissen wie es ist hart zu arbeiten, und trotzdem verbreiten sie bei allem eine ansteckende Laessigkeit bei allem was sie tun. Es faellt sehr schwer sich irgendeinen Sinn dahinter vorzustellen, dass sich in Deutschland tatsaechlich ueber die Laenge der SAchlange bei Aldi beschweren koennen.

Bis dahin ist das erstmal alles was ich an Infosa bieten kann, fuer Kenner hab ich jedoch noch ein Bonbon zum Schluss: Der Bart waechst und gedeiht!

 

Also, meldet euch mal bei dir. Ich warte, vor allem auf News von dir, dir und dir, der diu gerade verschaemt auf www.quastenflosser.de gehst!

Hasta luego!

 

4 Kommentare 3.8.08 01:07, kommentieren



04.08.: Hier geht was...

Langsam sieht man auf den Strassen immer mehr Demonstrationen, Streiks und Blockaden. Heute haben wir fast ne Stunde in die Stadt gebraucht - sonst sinds kaum 20 Minuten. Am 10ten sind hier eben Wahlen ob Evo Morales gehen muss oder nicht. Grade in der inigena-domierten Stadt La Paz fuehrt das zu Unruhe, die aber ungefaehrlich ist, wenn man sich raushaelt.

Interessant ist das ganze aber trotzdem. Zum Einen wird Morales Korruption vorgeworfen, zum anderen ist er der erste Praesident der als indigena und coca-bauer (welches weder suchtmittel noch droge ist, bei uns als Kokainbasis aber abgelehnt wird (obwohl cocatee schmeckt und beruhigt)) wirklich die Mehrheit der Bevoelkerung repraesentiert. Sein Problem ist nur, dass er das zu deutlich tut, sodass sich die (wirtschaftlich deutlich staerkeren Regionen um Santa Cruz) unterrepraesentiert werden.

Zwar habe ich nicht den hunderprozentigen Einblick in das Thema, ich denke aber, dass eine Abwahl Morales' ein Rueckschritt hin zu weisser, wirtsvchaftlicher Dominanz ist. Fuer mich waere das ein eindeutiges Zeichen in die falsche Richtung. Allgemein wird anscheinend davon ausgegangen, das Evo es schafft. Um das Land zu stabilisieren muesste er dann aber versuchen alle Bevoelkerungsgruppen zu einen - das ewige Problem Boliviens...

Was mir bei der (muehsamen) Zeitungslektuere aber aufgefallen ist, ist dass rein Journalist da in einer Kolumne auf der zweiten Seite schreibt, dass ein Praesident seinem Land Beispiel sein, sich also an die Gesetze ahlten muesse ist zwar vollkommen richtig, die Art und Weise mit der sowas als vollkommen neue, wissenschaftliche Ansicht verkauft wird ist aber schon schockierend. Bei uns lernt man sowas spaetestens in 6ten Klasse (selbst Kind, boeses wird irgendwann davon erfahren)...

Solche Sachen erinnern einen immer wieder dran wo man ist. Bolivien ist tatsaechlich ein Land dass einen beruehrt, aber auf treaurige Weise. Durch die fehlende Bildung, das fehlende Selbstvertrauen (geworben wird grundsaetzlich mit nackten WEISSEN BLONDEN Frauen, nicht etwa mit Bolivianern) und die fehlende Arbeitsdeinstellung machen den Menschen das Vorankommen unendlich schwer. Und trotzdem sind alle freundlich und sympathisch, und das Land einfach wunderschoen.

Als letze Info (diesmal fuer die BAsketballer) :

Hier gibt es gefuehlte 7 Millionen Freiplaetze (sowohl Bbal als auch Fussball). Gerade hab ich 50 Meter von unserm Haus mit 7 (winzigkleinen) Bolivianern gezockt. Meine Skills werden also mit meiner Kondition ins unermessliche wachsen. Dank sei dem Hoehentrainingslager.

Ansonsten hoffe ich auf noch mehr Post!

(obwohl ihr euch bemueht!)

Miguel

3 Kommentare 5.8.08 01:32, kommentieren

Wie Klischeehaft... (07.08.)

Nachdem ich nicht nur in einer ueberbesetzten, eher unreinlichen WG hause, einen ebenso unreinlich wirkenden (!) BArt trage und letzten Dienstag partzmaessig unterwegs war, hab ich mir jetzt also auch noch ne Gitarre zu gelegt... Zivi sein ist anscheinend auch am anderen Ende der Welt mit gewissen Verhaltensweisen eng verknuepft...

Ansonsten gehts mir wie immer hervorragend. Ich wage mich jetzt langsam aber sicher mehr an die Bolivianische Kueche heran, die Salteñas, dich ich keuerzlichst zu mir nahm sind mir hervorragend bekommen, und demnaechst wird mir wohl das landestypische Gericht Picci Macchu (oder so; heisst jedenfalls treffend Fleischberg) zum Opfer fallen. Die ersten von euch (Gg, Schubatt, Peter, Timo, Norm Maracle) seh ich schon neidisch sabbern...

Fragen nach dem von mir gewaehlten Projekt sind immer noch recht sinnlos, unsere Auswahlphase wird eher noch etwas laenger dauern. Bolivianischerweis haben wir nicht alles in dieser Woche hingekriegt. Ganz typisch scheint mir, dass das immer mit einer kleinen Vergesslichkeit anfaengt, und man dann vom 100ste ins |1000ste kommt, sodass sich tageweise Verspaetung anhaueft. Wie gesagt, alles neue wird umgehend gemeldet.

Mit dem Visum gehts aber voran; heute waren wir (meines Erachtens nach sinnloserweise) bei Interpol. Um die verantwortlichen Bolivianer zu beruhigen, und ein schnelles Vorangehen zu gewaehrleisten, sollten wir so tun, als koenntet wir kein Spanisch... Frag mich bloss keiner warum! Daraus folgte dieser Dialog:

Typ: ¡Tu firma! (=deine Unterschrift)

Ich: Was? Welche Firma? Ich bin nirgendswo angestellt

War am Anfang verwirrend und einschuechternd, hat aber mehr und mehr Spass gemacht =P...

Schlussendlich gibts zu sagen, dass ich mir wohl nen Gitarrenlehrer zu legen werde, um als aufgehender deulivasnischer Musikstern zurueck zu kehren. Desweitern bereiten wir uns auf den Ausflug der Fundaciôn an den Lago Titicaca vor (ja Pidda, bei Gelegenheit werde ich schwimmen!). Wir werden dann als Gruppenleiter einzelner Kindergruppen (alle Kinder der Fundaciôn kommen mit) fungieren, und die Wallfahrt zur Virgen de Copacabana (Marienverehrung is hier n ganz grosses Ding) mitmachen.

Langsam will ich nedlich losarbeiten. So lang es aber noch nix gibt, melde ich mich weiter so oft bei euch...

Euer Luigi (Pizzataxi-Tel: 546771, Schnell un bequum, von deine Pizzamann)

2 Kommentare 8.8.08 00:52, kommentieren

Hallo heute mal aus Deutschland!

Leider scheint das Blog von Bolivien aus im Moment nicht zu funktionieren, deshalb schreib ich (Michaels Freundin) heute mal hier ins Blog, um zu gucken, ob es noch funktioniert und um euch allen zu sagen, dass es Michael gut geht. Er arbeitet jetzt mit drogenabhängign auf der Straße und es gefällt ihm gut. Das wars auch schon von mir, ich hoffe ihr könnt an dieser Stelle bald mal wieder was von Michael persöhnlich hören!

1 Kommentar 21.8.08 21:14, kommentieren

Heute wieder (fast direkt) aus Bolivien

So, jetz hab ich (ueber Isabel) also ne Moeglichkeit gefunden, mein Blog auf Trab zu halten. Als Update wird der Eintrag heute also eher Faktenreich.
 
Zuerst und als wichtiges: Wir haben jetzt alle unsere Projekte ausgesucht. Ich bin mit Charlotte (irgendwann schreib ich ueberigens auch mal was zu den anderen Voluntaeren) in 'Escuela en la calle`(meinem Wunschprojekt) gelandet. Am Wochende gilt es jetzt so langsam zu definieren, wer von uns Sozialarbeit macht, und wersich auf die Schule an sich konzentriert. Zur Zeit wollen wir noch beide Sozialarbeit.
Dann mal Infos zur Arbeit an sich:
Sie ist zuerstmal auf jeden Fall aufregend. Wir gehen jeden morgen etwa von 10 bis 12 auf die Strasse. jeden Wochentag an einen bestimmten Platz, zu einer bestimmten Gruppe, insgesamt arebiten wir also mit 5 (eher 4,5 , mit einer fangen wir grade erst an.) Immer dabei sind die `professoren` Grover und Nelson. Demnaechst dann auch pflichtmaessig beide voluntaere, einer um beim lernen su helfen, einer um ueber persoenliche, alltaegliche Probleme zu sprechen. Alle zwei Wochen begleitet uns dann auch die 'echte' Sozialarbeiterin Consuelo und manchmal kommt auch der fuer die Handwerksstaetten zustaendige Coordinador mit, um etwas abwechslung zu bieten.
Die Schule an sich sieht meistens so aus, dass wir suerst ueber aktuelle Fundacionthemen sprechen (zur Zeit etwa die Pilgerfahrt nach Copacabana naechstes Wochenende, zu der wir unsere Leute ueberreden und das geld eintreiben, oder (am allerliebsten) ueber das fussbalturnier der Strassengruppen. In meinem ersten Spielfuer die Mannschaft des projektes hab ich soagr n Tor geschossen. Das deute ich als Hinweis: Ich bin tatsaechlich der beste Fussballer der Welt.) Danach beginnt der unterricht ueber Themen wie vertrauen, Respekt und Selbstwertgefeuhl. Klar soll das den chicos auch helfen, mit ihrem leben klarzukommen (vor allem die nachfolgenden Gespraechsrunden zu den themen) aber vor allem bietet es die Moeglichkeit ins gespraech zu kommen, sie dazu su bringen sich ausweise machen zu lassen, ne arbeit oder ien zimmer zu suchen, ins heim zu kommen, oder eben aufzuhoeren Vuelo (ein Klebstoffgemisch) zu schnueffeln. Nach der eigentlichen Schule werden dann Tee und Sandwiches (die spanische Aussprache davon ist ueberagend, sowie die Bolivianischen Spanischkuenste im Allgemeinen) gereicht. Fuer viele ist dass der eigentliche grund zu kommen.
 
Obwohl waehrend der Schulzeit das motto Zero Vuelo (keine Drogen) gilt, wir oft direkt vor unseren Augen gezogen. Viele koenne es einfach nicht lassen, und sind geistig zu wenig da, um wirklich zu registriere. Ganz damit aufzuhoeren ist ein alngwieriger Prozess, auf den sich nur die wenigsten wirklich einlassen wollen. Wir muessen uns also mit ermueend kleinen schritten naehern.Zuerst vertrauen aufbauen (gelingt mir hoffentlich ganz gut, nach dem Fussballturnier, dank meiner groesse, des bartes und dem vereinfachten namen Miguel kenn mich schon die meisten), dann zum Essen ins heim (fuer einen Boli) einaden. Daran dann vllt. ein Gespraech anschliessen. irgendwann Geburtsurkunde und Ausweis beantragen, dann Arbeit und Zimmer suchen. Dabei immer auch auf eventuelle Beziehungen oder Babys achten (und die gibt es dauernd) und schliesslich den Drogenkonsum endgueltig einschraenken. Und selbst wenn man soweit ist wird noch unendlich viel in privater Nachbetreung und in Gruppen gemacht.
 
Das ganze gestaltet sich vor allem deswegen so schwer, weil die Aufmerksamkeitsspanne der 'Schueler' gering ist. Man hat das Gefuehl das se ganz wonaders sind, auch wenn sie grade eigentlich nichts nehmen und auch nich high sind. Allein der zum teil langjaehrige Drogenkonsum laesst sie voellig neben sich stehen. Es gibt nur wenige die klar wirken. Und auch das nicht immer.Weiterhin gibt es viele (zu viele) die wirklich nur zum essen kommen, von der strasse aber nicht wegwollen. Erst gestern habe ich einen 15jaehrigen kennengelernt, der auf meine Frage, ob er nicht vllt. von der strasse ins heim, mit essen, dach, freunden, Bildungh.... will, geantwortet hat, es gefalle ihm auf der starsse. Er ist halt erst vor einem monat weggelaufen. Noch geniesst er es, drogen nehmen zu koennen ud auch sonst zu machen was er will. mit zu hause bringen viele auch als erstes die Worte Probleme, Hass und Schlaege in Verbindung. Trotzdem ist es gerade bei solchen wie ihm wichtig, den Zeitpunkt abzupassen, an dem ihnen die Strasse nicht mehr gefaellt, sie aber noch nicht zu sehr mit ihr und ihren bewohnern verwachsen sind.
 
Der Eintrag reicht denke ich erstmal fuer heute, ich lasse wenn alles klappt dann am Wochenende eine Fortsetzung folgen. Alltaeglioche Anekdoten gibts dann bei uebernaechsten Mal...
 
bis dann, euer Miguel

23.8.08 11:44, kommentieren

Hoppla, auf einmal kann ich wieder selber schreiben!

Nachdem ich herausgefunden hab, was ich als letztes schrieb, kommt hier die Fortsetzung (nebenbei bemerkt: Ich schiebe alle Rechtschreibfehler auf die tastatur und hoffe das Fr.Kaufmann nicht zu regelmaessig liest!):

Zur Arbeit gibts noch zu sagen, dass ich jetzt mehr und mehr in den Sozialarbeitsteil eingefuehrt werde, und Sachen alleine mache. Beispielsweise Ueberstellung zum Hauseigenen Arzt ausfuellen, oder bei einer befreundeten Anwaeltin Information ueber und Geburtsurkunden selber beantragen und abholen. Mit einem der jungs war ich auch schon mal einen Ausweis auf der zustaendigen und voellig ueberfuellten Behoerde abholen.

 Sprachmaessig komm ich recht gut klar, ich mach zwar immer noch Fehler (vor allem bei den Verbformen, Herr teipel wuerde mit dem Kopf nicken falls er das hier liest. Si mucho hab ich mir aber recht zackig abgewoehnt.) Wens interessiert: Der Akzent ist hier nicht so stark wie der des jungen herrn, der sich uns mal in der schule praesentierte, aber dass 'rr' tendiert schon zum sch. Und die 2 prs. pl. hab ich wohl noch nie verwandt (trifft sich gut, is naemlich ne ganz ne doofe). Die Aussprache mach aber vor allem das reden mit den strassentypen heikel, die sind naemlich entweder voll und reden als haetten sie die Zunge am Gaumen, oder sie sind grade klar und reden wahnsinnig schnell, mit eigenem Vokabular und hauptsaechlich davon, ob ich und Charlotte bald kinder haben werden... Erklaerungen das ich damit bei isabel fuer unmut sortgen koennte ziehen nicht, ich muss es ihr ja nicht verraten. Solche aussagen (und ebensolches Verhalten) sind hier standard... Meistens muss man sowas mit einem jaa, ganz bald abspeisen. Aber auslachen tun sie einen trotzdem, damit gilt es kalrzukommen.

 Die letzten beiden Tage bin ich recht spaet nach hause gekommen, denke das passiert eben in dieser art von arbeit. Hoffentlich reisst das nicht ein, obwohl ich am naechsten tag dann spaeter kommen darf...

Das waere an sich alles, wenns neues gibt melde ich mich. Gilt noch zu sagen, dass ich mich ueber eure kommentare freue, besonders der meines spanisch gottes hat mich beglueckt!

Seid gegruesst, ihr 5 lustigen 4! Adieu!

 

 

2 Kommentare 27.8.08 00:46, kommentieren