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03.08.08: Neues aus dem Land, wo keine Rasierapparate laufen (oder benutzt werden)

So, mit der Arbeitsbeschreibung bin ich jetzt groesstenteils durch, im Gegensatz dazu wird die Arbeit aber keinswegs weniger, sondern eher deutlich mehr. Ich komme jetzt relativ oft auch mal erst gg 7 nach Hause, heute musst ich auch ne Stunde frueher raus, und Leerzeiten dazwischen gibts auch immer seltener. Kann auch damit zusammenhaengen, dass die Fundación sich ab Samstag gen Copacabana begibt (nicht das strandige in brasilien sondern die (auch schoene) Boliversion) um der doritgen Jungfrau zu huldigen. Witzige Sache dazu am Rande: wie an alles hier wird auch an das Wort Virgen - Jungfrau die Verniedlichungsendung -ito/a angehaengt, sodass man hier auch mal liebevoll vom Jungfraeulein spricht. Fuer die Wallfahrt jedenfalls muss ich mich schon am Freitag um 9 Uhr abends im Buero einfinden um dort mit den Strassenjungs zu naechtigen, sicher zu stellen dass sie keine Drogen nehmen und nichts kaputtmachen und ueberhaupt einfach aufzupassen. Und am Samstag gehts dann relativ frueh los (7 los, 5.30 aufstehen oder so).

Ansonsten geht hier alles einen mehr oder weniger gewohnten gang. Ich hab jetzt endlich meine erste Gitarrenstunde gehabt (fuerchte mich, Zinski!) und krieg heute Abned die zweite. Bisher kann ich mich auch immer noch relativ leicht zum fleissigen ueben bringen - wenn Zeit bleibt.

Cool finde ich dass ich mich langsam immer oefter dabei ertappe, Spanisch zu denken, oder zu traeumen. Mit der Sprache gehts also stetig aufwaerts. Selbst das komisch sch-rr der Bolivianer gewoehn ich mir an (weil mir sonst ein franzoesischer akzent unterstellt wird-bin mir aber noch nicht sicher opb mir der hiesige akzent passt...)

Was ausserdem interessant sein koennte, ist dass ich mich aufgrund der Unglaeubigkeit einer Freundin dazu entschlossen habe, mit ihr Ramadan zu halten. Ich weiss einige werden schockiert sein, aber seht es als Vorbereitung auf folgende Fressorgien im deutschen Restaurant (abgesehen davon: ich hab etwa 7 kilo abgenommen... die Bolivianische kueche weiss immer noch nicht zu ueberzeugen...). Aber vorerst gilt es jedenfalls zu beweisen, dass auch ich zur Enthaltseimkeit faehig bin.

Schlussendlich bleibt mir noch zusagen, dass ich mir nicht unerheblich in den Hintern beisse, weil ungefaehr genau jetzt die DEL-Saison wieder anfaengt... Und ich werde kein einziges Spiel sehen. Vllt. finde ich aj wenigstens ein internetcafe fuer Radio-mk.

Alle die noch unbeantwortete E-mails von mir ausstehen haben, sollen ihren Zorn bitte im Zaum halten. Ich setz mich baldmoeglichst dran, aber jetzt muss ich ertsmal weiterarbeiten (wer Ramadan hat, aht in der Mittagspause ordentlich Zeit).

 

Gruesse, Miguel.

4 Kommentare 3.9.08 19:33, kommentieren



28.09.2008: Grosskopferte Steine gibts nicht nur auf den Osterinseln...

ICh stand vor der Wahl: Was findet ihr wohl interessanter, Urkulturausfluege, oder Geschichten aus dem tagtaeglichen Arbeitsnaehkaestchen...? ICh hab mich ufer euch fuer die uralten gememaeuer entschieden, dankt mir spaeter...

Am Dienstag (23.) gings also ab zu unserem zweiten Gruppenausflug, diesmal die Zentrale kultstaette der Urkultur Tiwanaku bespechten. Diverse Zungen (hauptsaechlñich bolivianische die inder naehe von tiwanaku wohnen, schaetze ich) sagen, dass hier die wiege der andenkulturen laege. Feine  sache also.

Die Besichtigung an sich war dann gepraegt von Licht und Schatten. Die Monoliten die die Andenjungs da gezimmert haben waren tatsaechlich echt interessant, genauso die Erklaerungen zu deren Symbolsprache. Der Haupttempel war noch nicht ganz ausgebudelt, aber die art und weiss wie si den zusammengebastelt haben,. ist auch trecht beeindruckend. Stellt sich halt die alte Pyramidenfrage: wie zur hoelle haben die die steine da hin gebracht. (aehnliche frage ueberigens auch bei ihrem Pimillionen langen Bewaesserungssystem.)

Andererseits hat dann im Museum der tausendste (als einzelstueck eigentlich recht interessanter) bemalte topp auch keinen mehr vom hocker gerissen.

 Insgesamt wars aber auf jedenfall ein gelungener ausflug. Die Landschulheimstimmung war kaum unterdrueckt (der spanischsprachige Kondukteur konnte unser 'Hoch auf unsern Busfahrer' wahrscheinlich nur bedingt wuerdigen...)

KArten hab ich auch gekauft, aml gucken an wen ich die sende. Seid also brav.

Euer Nick O. Laus

1 Kommentar 28.9.08 19:24, kommentieren

28.09.2008: heute hab ich die Spendierhosen an...

na, der letzte war ja jetzt nich grade ein EIntrag der vor Infos nur so strotze, also gewaehr ich euch noch einen Exklusivblick in mein Leben. Gleich bei 'RTL2 - Die Grossfamilienauswandererfrauenshow ... 2'.

Wie gesagt, in letzter Zeit haben sich einige kleine Sachen angesammelt, die ich jetzt einfach mal so aufzaehle.

Der Knueller am Anfang: Hier schifft jeder einfach ueberall hin... Letztens hat vor unserem Hauptgebaeude ein Maedel seiner Mama so lange 'Piiiiiiis,piiiiiiis' (ja heisst hier auch so) zu gerufen, bis Muttern ihr empfohlen hat, auf der anderen Strassenseite ans naechstbeste Auto zu strullen. Gesagt getan. Ein anderer hat das galanter geloest. Um nicht unzivilisiert zu wirken, Hat er durch einen Schlitz im Wellblechzaun seine Scham bedeckend auf eine Baustelle uriniert. Die Vorstellung wie das von der anderen Seite ausgesehen haben muss beglueckt mich immer wieder.

Weiterhin gibts hier lustige Trinkpaeckchen, die man an Strassenstaenden fuer -bei euch - 5Cent kaufen kann. Eigentlich nur Plastiktueten mit keunstlichen Fruchtsaeften, der Spass dran ist in die Tueten ein loch zu nagen und das Zeug genuesslich zu nuckeln. Ich bin suechtig, So wie viele (auch erwachsene ) Bolivianer.

Weniger lustig sind diverse Sachen, die ich in letzter Zeit so auf der Strasse erlebe:

Angefangen hat das damit, dass eines tages einer der jungs, die eigentlich arbbeiten und ein eigenes Zimmer haben wir auf der Strasse  rumgestrolcht ist. Darauf angesprochen, hat er mit Traenen in den Augen erzaehlt, dass er seine freunde nicht im Stich lassen kann, und es nicht aushaelt abends in seinem dunklen Zimmer alleine zu sein. Nicht grade toll, seine frau wird naemlich in ihrem rehazentrum bewusst von ihm ferngehalten, weil er naemlich schon zum tausendsten Mal nen Strassenrueckfall hatte.

Das naechste war dann, dass mir ein anderer nach mehrmaliger Nachfrage berichtet hat (diesmal richtig unter traenen (das heisst bei den Strassenjungs was, heulen ist nicht so besonders maennlich hier...)) dass er seit tagen nicht wisse wo seine Frau ist. Von den Vorbereitungen der Beerdigung ihres Vaters sei sie mit Tochter nicht zurueckgekehrt.Als ich das voll des mitleids im projekt berichtet hab, wurde mir die Info zu Teil, dass die Frau nicht umsonst abgehauen ist. Der besorgte Ehemann scheint zwar sehr liebend, wird aber im Suff aber auch gerne Mal gewalttaetig. Super Situation, Grossmaul Werner hat versprochen bei der Suche zu helfen.

 

Das, was mich dann eindeutig am meisten, laengsten und schwersten beeindruckt hat, war der Fall eines mannes der schon seit jahren auf der Strasse lebt. Als er gesagt hat, er wolle ins Heim, um gesud und normal zu werden, haben wir ihn natuerlich dirket mit ins Casa de paso geschleppt. Da er fuers Jungenheim zu alt ist, wollten wir ihn nach aerztklicher Untersuchung ueberweisen. Die Untersuchung war dann gelinde gesagt hart. Er hatte nicht nur eine gehirn-Op, nen Nasenbeinbruch, nen Nierenschaden und ne akute Cholik, sondern seit der Op auch 40kg bei 165cm groesse, sowie den verdacht auf Tuberkulose und AIDS. Als ihm der bauch abgetastet wurde, sah er exakt aus, wie die voellig unterernaehrten afrikanischen kinder auf Brot fuer die welt plakaten. Danach hab ich ausnahmsweise mal stunden lang mit den traenen gekaempft (kann ich mir hier naemlich auch nicht leisten, ich denke das waere schon ein respektsverlust bei den jungs). Die Tests haben dann ergeben, dass er nur Tb hat, und sogar in ein Zentrum kommt.

Was mich ehrlich gesagt verwundert. Dass mag jetzt hart klingen, aber wenn die Leute zu krank sind, werden sie anscheinend auch schon mal abgewiesen. Die Logik dahinter ist, dass zB TB jetzt monatelang behandelt werden muss. Der mann von der Strasse zahlt das sicher nicht. Und wenn man fuer sagen wir mal 1000 Euro 5 andere einfach von ihrer Unterernaehrung/Drogensucht heilen kann... Mangel an zu Heilenden ist hier jedenfalls nicht.

Dass wars edann jetzt aber, ich mach mich derweil mal auf Unissuche. Begleuckt kann ich noch konstatieren: Iserlohn:Kassel nach 40 Minuten 4:1. Liest sich schik.

Tom Bombadil 

 

2 Kommentare 28.9.08 20:09, kommentieren