Zwischenbericht

Seit inzwischen sechs Monaten befinde ich mich jetzt als Voluntär für die „Fundación Arco Iris“ in La Paz, Bolivien, womit ich meinen „Alternativen Dienst im Ausland” ableiste. Ich arbeite hier im „Proyecto Educativo Integral – Escuela de la Calle” und bin damit sowie mit meinem Aufenthalt an sich alles in allem sehr zufrieden.
Trotzdem wurden meine im Vorraus gebildeten Erwartungen grösstenteils nicht erfüllt. Das liegt vor allem daran, dass ich zum Zeitpunkt meiner Vorbereitung und Abreise eigentlich kaum konkrete (oder realistische) Vorstellungen vom Leben in La Paz hatte. Von vielen Dingen konnte ich mir schlichtweg kein Bild machen, bei anderen wusste ich gar nicht, dass es sie hier gibt.
Völlig anders hatte ich beispielsweise über die Modernitätsstandards hier in der Stadt gedacht. Ich hatte mit deutlich weniger – bezogen auf Internet, Supermärkte oder Medien - gerechnet. Internet- und Telefonkontakt nach Deutschland sind jedoch verhältnismässig leicht aufrecht zu erhalten, warmes Duschen ist eigentlich (fast) immer möglich, und wenn man irgendwas unbedingt haben möchte, bekommt man es für den entsprechenden Preis meist auch.
Insgesamt habe ich hier den Eindruck gewonnen, dass es sehr schwer bis unmöglich ist, Voluntäre von Deutschland aus komplett auf ihren Aufenthalt in Bolivien vorzubereiten – vieles ist mit Worten einfach nicht zu erklären. Trotzdem denke ich, dass das speziell auf die Fundación und die Stadt zugeschnittene Vorbereitungsseminar generell mehr nützt und mir persönlich damals mehr gebracht hat als es ein allgemeines fid-Seminar getan hätte.
 
Das Leben in La Paz gefällt mir  -  so, wie ich es bis jetzt kennengelernt habe – sehr gut. Wie die meisten anderen Voluntäre auch, halte ich La Paz für eine ganz besondere und auf eine eigenen Art auch sehr schöne Stadt.
Mit der Höhe – vor der wir ja vorher audrücklich gewarnt worden waren – hatte ich eigentlich kaum Probleme. Zwar ist schon aufgefallen, dass man anfangs deutlich weniger Kondition hatte als der durchschnittliche Bolivianer. Das legt sich jedoch mit der Zeit und etwas sportlicher Aktivität mehr oder weniger.
Auch von Krankheiten wurde ich weitestgehend verschont. Zwar hatte auch ich – wie jeder andere -  die berüchtigten “Magen-Darm-Probleme”, aber ernste Infektionen oder vergleichbares war bisher noch nicht dabei.
Auch das Wetter hier ist erträglich. Man hat das Gefühl, als wäre es einfach das ganze Jahr über Herbst – mal mit mehr, mal mit weniger Sonne. Jetzt, in der Regenzeit, gibt es natürlich auch verstärkt überraschenden und heftigen Niederschlag. Sowohl Regen als auch Hagel. Und trotz der meist eher kühlen Temperaturen muss man auch immer darauf bedacht sein, sich keinen (allzu schlimmen) Sonnenbrand zu holen.
 
Ein grosser Unterschied zu Deutschland, den ich mir vorher ebenfalls nicht richtig bewusst machen konnte, ist die allgemeine Lebenssituation der „Paceños”. Die ist natürlich zwischen den Bewohnern  der „Zona Sur” und der höher gelegenen Stadtviertel nochmal unterschiedlich. Gerade in El Alto besitzen manche Familien für uns unvorstellbar wenig. Viele leben in teils fensterlosen Ein-Zimmer-Wohnungen und teilen sich diese mit Eltern, mehreren Kindern und anderen Verwandten. Die Wohnungen sind nicht immer mit Bett, Schrank und Tisch ausgestattet. Das einzige Bad ist oft das naechste „Baño público”. Zusätzlich leiden viele Familien auch noch unter häuslicher Gewalt, Alkoholismus oder sexuellem Missbrauch. Viele Mütter erziehen alleine.
 
Solche und andere Erfahrungen kann ich grösstenteils in meinem Projekt „Escuela de la Calle” sammeln. Ich arbeite dort zusammen mit einer weiteren Voluntärin, Charlotte Altmeyer. Organisatorisch gehört unser “Unterprojekt” zum grossen Projekt “Proyecto Educativo Integral”. Während im anderen Teil dieses Projektes jedoch mit Schulkindern gearbeitet wird um deren Lernprozess zu unterstützen, ist „unser” Teil des Projektes auf „Strassenkinder” ausgerichtet. Dazu muss man sagen, dass „Strassenkinder” zumindest ein verwirrender, wenn nicht sogar falscher Begriff ist. In den aktuell 3 Strassengruppen mit denen wir arbeiten befinden sich höchstens 5 Kinder regelmässig. Der Hauptanteil der Strassenbevölkerung der die “Escuela” wirklich besucht, besteht aus Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 17 und 25 Jahren. Unter diesen befinden ich wiederrum nur wenige Frauen.
 
Die tägliche Arbeit im Projekt verläuft für mich sehr abwechslungsreich. Grundsätzlich ist geplant, dass wir jeden Morgen der Woche mit dem Minibus der Fundación zu einer anderen Gruppe gebracht werden, um dort den „Unterricht” abzuhalten. Da sich aber Ende des letztens Jahres eine unserer Gruppen aufgelöst und teilweise einer anderen angeschlossen hat, bleiben uns jetzt nur noch drei Gruppen: Dienstags die „Intocables” unter der „Puente de las Americas”, mittwochs die „Leones” an der „Avenida de los Leones” und donnerstags die „Vatos Locos” an der San-Francisco-Kirche. Montag und Freitag bleiben dann für die Planung von Aktivitäten oder speziellen Aktionen – wie Besuche bei eventuellen Arbeitsstellen oder für “Extra-Unterricht”. Ich hoffe aber trotzdem, dass der Plan, für 2009 eine neue Gruppe jüngerer Strassenkinder ganz in der Nähe des “Casa de Paso” zu erschliessen weiter verfolgt wird und auch gelingt.  Die Arbeitszeit wäre damit noch deutlich besser ausgefüllt und dem Begriff “Strassenkinder” wäre wieder mehr entsprochen.
 
Wenn ich hier über “uns” schreibe, dann meine ich damit die Tutoren Grover Jimenez und Mery Beltran, sowie die beiden Voluntäre Nelson Flores (der das Projekt Mitte Februar verlassen wird) und Charlotte Altmeyer. Diese 4 arbeiten regelmässig auf der Strasse. Da ich mich anfangs entschieden habe, mehr im Bereich “Trabajo Social”, also in der Sozialarbeit mitzuwirken, bin ich nicht immer morgens beim Unterricht und auch nicht an allen Aktivitäten regelmässig beteiligt. Eigentlich ist zwar geplant , dass entweder ich oder meine Chefin, die Sozialarbeiterin des Projekts Consuleo Gonzales, die anderen morgens begleiten, oft ist es jedoch so, dass wir beide anderen Tätigkeiten eingeplant haben. Für dieses Jahr hoffe ich jedoch wieder öfter mitkommen zu können.
Damit liessen sich auch bestimmte schon aufgetretene Probleme vermeiden. Da der Bereich „Trabajo Social“ unter anderem auch für den Bereich der Gesundheit zuständig ist, kann es passieren, dass in unserer Abwesenheit gesundheitliche Missstände übersehen werden. Hier sollten wir wahrscheinlich noch mehr auf vollständige Koordination der verschiedenen Tätigkeiten innerhalb des Projektes, oder mit den anderen Teilen der Fundación – sowie der Ambulanz des Hospitals – achten.
Vor allem, da vor einiger Zeit einer unserer „Jungs“ verstorben ist. Da er mit gleich mehreren verschiedenen schweren Krankheiten infiziert war, hätte ihm wahrscheinlich nicht mehr geholfen werden können, trotzdem wurde die Verschlechterung seines Zustandes viel zu spät bemerkt. Hier hätten sowohl die Ambulanz als auch wir viel früher eingreifen müssen.
 
Gerade die Vielfältigkeit der Arbeit war einer der Hauptgründe für mich, die Sozialarbeit auf der Strasse als „mein Projekt“ auszuwählen. Die Arbeit ist ausserdem zeitaufwendig, so dass fast nie Langeweile aufkommt. Auch  dadurch, dass sie oft sehr anspuchsvoll ist, fühle ich mich gut ausgefüllt und halte meine Arbeitszeit hier für sinnvoll genutzt. Zwar gibt es tatsächlich nur kleinere Erfolge, diese sind die Arbeit jedoch auf jeden Fall wert.
Im Oktober 2008 kam zum Beipiel ein recht gepflegter junger Mann zu uns ins Büro. Nachdem er eine Weile mit meiner Chefin gesprochen und sich mehrfach bei ihr bedankt hatte, drehte er sich zu mir um und sagte: „Der hat mich damals hingebracht!“ Ich habe dann immer noch eine Weile gebraucht um darauf zu kommen, dass das tatsächlich der „Junge“ sein sollte, den ich etwa einen Monat zuvor ins Heim begleitet hatte. Damals war er jedoch von Alkohol und Drogen im Gesicht völlig aufgequollen, am ganzen Körper vernarbt und schmutzig gewesen.
Das Gefühl als ich ihn erkannt hatte, war unglaublich befriegend und hat mich danach noch wochenlang besonders motiviert.
 
Meine Motivation in der Arbeit ist an sich mit der Zeit immer stärker geworden. Da mir anfänglich von den „Beneficiarios“ und anscheinend auch von meiner Chefin nur wenig Vertrauen entgegengebracht wurde -  und ich somit auch entsprechend weniger Arbeit hatte – fiel es mir noch länger schwer, mich wirklich mit meinem Porjekt, meinen Aufgaben und „meinen Jungs“ zu indetifizieren. Rückblickend kann ich jetzt sagen, dass es sich dabei um die ganz normale Eingewöhnungsphase gehandelt hat, auch wenn diese mir anfangs schon zu schaffen gemacht hat. Auch weil ich mit einigem Heimweh zu kämpfen hatte.
 
Das Vertrauen meiner Chefin konnte ich mir dann jedoch Schritt für Schritt erarbeiten, so dass ich jetzt einen grossen Teil meiner Aufgaben alleine und weitgehend selbstständig erledige. Zwar werden mir noch oft Aufgaben zu gewiesen – für diese bin ich dann aber nach kurzer Einarbeitungsphase selbst verantwortlich.
So betreue ich seit Monaten eine Tuberkulose- und HIV-Patientin aus einer unserer Gruppen im „Hospital General“, statte ihr Besuche ab, besorge Medikamente aus dem Hospital Arco Iris und informiere mich bei den behandelnden Ärzten über ihren Zustand. Ich hoffe das unter anderem diese Betreuung zur ihrem starken charaktrlichen Wandel geführt hat. Die Patienten hat bis jetzt an ihrer langwierigen Tuberkulose-Behandlung festgehalten, wurde vor wenigen Tagen aus dem Krankenhaus entlassen und zeigt keinerlei Neigung wieder auf die Strasse zurückzukehren. Ich hoffe sehr, dass es in den nächsten Tagen gelingt ein Heim für sie zu finden, damit sie ihre Entwicklung fortsetzen kann.
 
Neben dieser (zur Zeit grössten) Aufgaben im Bereich Gesundheit helfe ich verschiedenen „Beneficiarios“ beim Sparen ihrer Gehälter, Arbeit zu finden und betreue sie dann auch später bei dieser Arbeit. Ich besuche Ex-Strassen-Familien zu Hause um Wohn- und Familiensituation kennen zu lernen oder zu überprüfen, arbeite in der Koordination mit anderen Projekten und ihren Heimen, kümmere mich um Beantragung und Abholung von Ausweisen, Geburtsurkunden und Zertifikaten und begleite Beneficiarios auch spontan in Notfallsituation zu den entsprechenden Stellen. All diese Arbeite erledige ich natürlich vor allem als Helfer meiner Chefin.
 
Das Vertrauen der „Jungs“ zu mir und auch meines zu ihnen hat sich dagegen mehr in bestimmten Schlüsselsituationen entwickelt, oft auch bei Einzelnen oder einigen Wenigen gleichzeitig.
Ein Beispiel für eine solche Schlüsselsituation ist an sich relativ banal, da es bei dem von uns organisierten Fussballturnier für die Strassenkinder stattgefunden hat. Aufgrund von Ausfällen hat auch das Projekt ein Team gestellt, in dem ich relativ kurz nach meinem Arbeitsbeginn mitgespielt habe. Gleich in meinen ersten zwei Spielen konnte ich drei relativ glückliche Tore schiessen. Vor allem beim zweiten und den folgenden Spielen, habe ich immer wieder von den Zuschauern Anfeuerungen gehört, und auch nach dem Turnier konnten sich noch viele an meinen Namen erinnern (wahrscheinlich auch wegen meiner Grösse und meines Bartes). Trotzdem war das für mich keine Selbstverständlichkeit, da viele der Leute mit denen wir arbeiten durch langjährigen Drogenkonsum so starke Schäden davongetragen haben, dass sie sich oft nicht mal an die Namen der langjährigen Mitarbeiter erinnern.
Ein weiteres, diesmal eher ernstes Beispiel, ist eine Situationen die sich in der Gruppe der Leones abgespielt hat. Nachdem wir die tägliche „clase“ beendet hatten, und gerade den „refrigerio“ – Tee und Brot – austeilten, begann einer der Jungs ein Gespräch mit mir und Charlotte. Mit der Zeit hat sich dieses immer mehr zu einem Gespräch zwischen mir und ihm entwickelt – für bolivianische Jungs oder Männer ist es  oft schwer sich Frauen zu öffnen; das gilt für die Jungs von der Strasse noch mehr. Im Lauf des Gespräches ist er mir gegenüber jedoch immer ehrlicher geworden, und auch ich habe mir grösste Mühe gegeben, hilfreiche Beiträge zu leisten. Ich habe erfahren dass seine Frau sich mit seinem Sohn in einem Heim befinde, er sie jedoch nicht besuchen dürfe, da ein schlechter Einfluss von seiner Seite befürchtet wird. Er erzählte, dass er um seine Kinder (er hat ausserdem eine Tochter, die bei Verwandten wohnt) wiedersehen zu können schon Arbeit und eine Wohnung gefunden hatte, es jedoch in der Einsamkeit nicht ausgehalten habe und auf die Strasse zurück gekehrt sei. Er habe das Gefühl, seine Freunde nicht im Stich lassen zu können.
Dass er auch nach diesem Tag immer wieder das Gespräch mit mir gesucht hat, heute arbeitet, spart, eine Wohnung sucht und seinen Kindern diverse Weihnachtsgeschenke gekauft hat, zeigt mir, dass ich wenigstens etwas bewirken konnte.
 
Dieser Beneficiario, und auch das Mädchen aus dem Krankenhaus sind damit zwei derer, in die ich sehr grosses Vertrauen und Hoffnung setzte. Man muss nämlich auch ehrlich sagen, dass es viele Strassenbewohner gibt, die ihre Situation offensichtlich nie wirklich werden ändern können. Für viele von ihnen bedeutet das relativ bald auf der Strasse zu sterben. Und auch wenn solche Aussagen hart klingen, so muss man in solchen Fällen auch sorgsam überlegen, auf welche Beneficiarios man seine eingeschränkte Arbeitszeit konzentriert, und mit wem man sich nur bedingt beschäftigt, da bei vielen der grundsätzliche Wille zur Veränderung fehlt.
 
Solche Gedanken sind manchmal schwer zu bewältigen. Zum einen gilt es, sich manche Entwicklungen nicht zu sehr zu Herzen zu nehmen, um unter den gleichen Bedingungen weiter arbeiten zu können. Andererseits will man auch nicht abstumpfen und gefühllos agieren. So komme ich mit realen Geschichten von Prostitution, Vergewaltigung und Tod meist recht gut klar. Auch das manchmal erschreckende Aussehen unserer „Jungs“ habe ich zu akzeptieren gelernt. Es gibt nur wenige Situationen, in denen ich über die Umstände verzweifelt bin. Oft hängt das an wenigen Augenblicken, die einem vor Augen führen, was man da gerade wirklich erlebt. Trotzdem sind auch oder gerade diese Erlebnisse Teil der Arbeit und der Erfahrungen die wir hier sammeln.
 
Mit meinem Projekt bin ich also insgesamt sehr zufrieden. Auch einige kleinere, zum teil sehr „bolivianische“ Probleme können diesen Eindruck nicht trüben.Ich finde mich in meiner Rolle gut zu Recht, und habe auch das Gefühl das mein Beitrag nützlich ist, und so auch von Team und Beneficiarios geschätzt wird. Auch unser Projekt erscheint mir wichtig, sinnvoll und wirksam zu sein. Allein um den „Jungs“ zu zeigen, dass sich jemand um sie kümmert und sorgt und es einen Sinn darin gibt, sein Leben zu ändern, sollte das Projekt aufrecht erhalten werden.
 
Das hat mir auch meine Arbeit im Casa Esperanza, wo ich die Kollektiv-Ferien des fest angestellten Personals verbracht habe, gezeigt. Dort hatte ich teilweise das Gefühl, nicht wirklich gebraucht zu werden. Die Kinder haben uns kaum respektiert, auch wenn sie uns sehr wohl gemocht haben. Oft haben sie den ganzen Tag vor dem Fernseher verbracht und liessen sich nur schwer dazu bewegen, etwas zu spielen oder sich anderweitig zu beschäftigen. Das mag sicher auch an der Ferienzeit und dem dadurch begründeten Fehlen von Schulaufgaben und anderen Pflichten liegen, ich finden aber trotzdem, dass sich die Arbeitskraft und Motivation der Voluntäere in dieser Zeit sicherlich deutlich besser nutzen liesse.
Ein weiterer Punkt, über den ich mir etwas kritischer Gedanken gemacht habe sind die – zumindest in diesem Jahr – häufigen Personalwechsel innerhalb der Fundación. Oft werden Mitarbeiter trotz Fehlverhalten nicht entlassen, sondern nur in andere Projekte versetzt. Dies ist zwar die menschenfeundlichere Lösung, führt aber oft dazu, dass die Fundación lange ungeeignetes Personal „mitschleift“. Andere Mitarbeiter werden hingegen aus finanziellen Gründen nur mit Kurzverträgen ausgestattet und dann trotz guter Leistung nicht weiter beschäftigt. So verpasst die Fundación zum Teil die Möglichkeit ihre Arbeit qualitativ zu verbessern.
Vor allem nach dem Zwischenseminar in Santa Cruz sehe ich die Fundación jedoch mehr als positiv. Die Organisation ist im Vergleich zu anderen Institutionen vorbildlich, sowie auch die Akzeptanz und der Einsatz der Voluntäre, das Spektrum der Projekte und die relative Profesionalität der Arbeit. Ich habe das Gefühl, dass Geld und Arbeit die von allen Beteiligten investiert werden gut an die Bedürftigen weitergegeben werden.
 
Das Zwischenseminar war auch neben diesen Erkenntnissen sehr hilfreich, so dass ich es für nachfolgende Voluntärsgenerationen nur empfehlen kann. Besonders zu zwei Punkten hat es mich sehr zum Nachdenken angeregt: Zu meiner persönlichen Entwicklung während des Aufenthaltes und zu meiner Zukunft.
Neben relativ grundlegenden Punkte meiner Entwicklung wie der verbesserten Sprache, ist mir vor allem eine Veränderung bei meiner Motivation aufgefallen. Ehrlich zugegeben war mir diese bei meiner Anreise wahrscheinlich selbst nicht ganz klar. Der obligatorische Punkt „Menschen helfen“ war natürlich genauso vertreten wie der Punkt „Erfahrungen sammeln“. Was ich mir darunter vorzustellen hatte, hätte ich wohl nicht sagen können. Vor allem in der Anfangsphase, in der ich Familie und Freundin teils sehr vermisste, fiel es mir schwer herauszufinden, was ich eigentlich wirklich in Bolivien wollte. Durch die beschriebenen teils schweren und teils schönen Erlebnisse hier hat sich das jedoch völlig verändert. Meine Motivation ist mehr jetzt insofern klar, als dass ich mit der bestmöglichen Arbeit in meinem Projekt dazu Beitragen möchte, reale Veränderungen herbei zu führen. Ich möchte meine Zeit hier für mich und „meine“ Beneficiarios – vor allem im kommenden halben Jahr - bestmöglich nutzen. Gleichzeitig möchte ich aber auch so viel wie möglich von Bolivien und Südamerika sehen und von seinen Menschen und ihrer Lebensweise lernen.
 
Die Entwicklungen und Veränderung, die ich hier erlebt habe und erleben werde lassen mich auch darüber nachdenken, wie es sein wird, wenn ich nach Deutschlnd zurürckkehre. Wahrscheinlich werden sowohl ich als auch andere Zeit brauchen, sich an die „neue alte“ Situation zu gewöhnen. Einiges wird wohl nicht zu erklären oder verstehen sein, sodass ich auf solche Situationen vorbereitet sein muss.
 
Bis dahin werde ich die Zeit hier so geniessen, wie ich es bisher getan habe.
 
Michael Werner 

2.2.09 08:07

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