05.04.2009: Eine Woche normale Ernaehrung!

Nach laengerer Zeit wird heute mal wieder reichhaltig gebloggt. Hier der Beitrag zum Besuch meiner Tante Christel und meiner Cousine Silvana, sowie wiederrum unseren Besuchen auf der Isla del Sol und in Rurrenabaque.

 

Angekommen sind die beiden in La Paz am 23. 03., und zwar per Bus, da sie sich vorher schon in Santiago de Chile, Valparaiso und der Salar de uyuni rumgetrieben hatten. Also hab ich mich fruehmorgens aufgemacht, die beiden vom Busterminal abgeholt und (obacht!) Broetchen, Marmelade, Wurst und Eier eingekauft. Wahrscheinlich das erste Mal seit 7,5 Monaten, dass ich soviel verschiedenes, normales Essen im Haus hatte, und dass dann auch noch zur adaequaten Tageszeit auf den Tisch gebracht habe.

Nachdem Fruehstueck haben wir dann erstmal versucht, die Wohnung der beiden auf dem Gelaende "unseres" Maedchenheimes zu beziehen. Nach anscheinend schlechten Erfahrungen in Chile waren beide auch recht zufrieden, schade nur, dass irgendwie verloren gegangen ist, dass wir uns alle mit einander Bettbezuege fuer die beiden Besucherinnen gewuenscht haetten. Da war ich also (nicht zum letzten Mal waehrend des Besuches) sehr beruhigt, dass beide sehr genuegsam und ruecksichtsvoll mit Bolivien umgegangen sind .

Spaeter sind Christel und Ich dann nochmal zur Erkundung der Stadt aufgebrochen, Silvana hat stattdessen bis zum Abendessen (Charlie Papa's) ausgeruht.

Amnaechsten Tag gings dann wieder in die Stadt, diesmal war das ganze zuerst mit dem Buchen der Tour nach Rurrenabaque und danach mit dem Buchen und direktem Abholen diverser "Artesania"-Artikel von seiten der Damen verbunden.Dabei sind wir dann auch auf Christels und Silvana Uyuni-Bekanntschaft Nancy (*Name von der redaktion als symptomatisch fuer den Charakter angesehen) gestossen. Hatte ich schon am Terminal kennen gelernt. War mir beim zweiten mal auch nicht sympathischer.

Am Abend gings dann wieder Essen (Reineke Fuchs). Ausserdem wurden Familiengeschichten (zentraler Punkt immer wieder irgendwie mein Papa ;D) ausgetauscht. Spaetestens da ist es mir zum ersten Mal aufgefallen, wie komisch es ist, Familie zu Besuch in Bolivien zu haben. Ich hoffe man versteht mich nicht falsch (und das schreibe ich nicht nur weil ich weiss dass die Christel den Bericht auch liest) aber das Leben zwischen Bolivien und Deutschland strikt zu trennen faellt mir deutlich leichter. Vielleicht laesst auch deswegen die ein oder andere Mail mal laenger auf sich warten... In der Woche mit den beiden hab ich mich wieder viel mehr als Aussenstehender in La Paz gefuehlt und dazu noch wieder viel mehr Heimweh gehabt...

 

Die Diskussionen beim Reisebuero (Coca-Travels ...) haben ergeben, dass wir erst spaeter nach Rurrenabaque fliegen (Oh Gott, hoffentlich sind wir rechtzeitig zum SPIEL zurueck!!!) und uns vorher fuer einen Zwei-Tages-Trip an den Titicacasee begeben. Also gings tagsdrauf zuegig mit dem Touribus (mit dem "Linienbus" waers zwar authentischer, aber auch diebstahls-intensiver und komplizierter geworden) zuerst mal nach Copacabana. Achja, Nancy war auch dabei (hipphipphurra). Und ihren Reisekumpel Hatte sie auch dabei (zwar auch hipphipphurra, aber deutlich weniger euphorisch als bei Nancy).

Wie dem auch sei, nach kurzem Mittagessen un ebenso knapper Betrachtung der Tourimeile Copacabanas (achja, wir haben rausgefunden: Das brasilianische ist nach dem bolvianischen benannt!) begaben wir uns aufs Boot, und nach 2-stuendiger Fahrt ueber die "Treppe des Inkas" auf den Hausberg der Isla del Sol hinauf. Jakob (Nancys Begleiter) musste schon wieder zurueck, da Bolivien in einer Woche KOMPLETT duchreist werden musste, wir gingen wie gesagt auf die Treppe. Diesmal etwas weniger zuegig als vorher...

Nach hundert diversen Angeboten fuer Hostals (immer von denselben zwei kleinen jungs) entschieden wir uns oben nach der bewaehrten "Kein-Bock-weiter-zu-suchen"-Methode fuer Tor Nummer 3. Dahinter verbargen sich geraeumige Zimmer und Betten, eine gute Aussicht, ein vernuenftiger Preis und als Ueberraschungsknueller ein winziges Klo ohne Spuelung. Egal, die Isla del Sol wars wert. Der See ist einfach riesenhaft gross, sieht von oben WIRKLICH spiegelglatt aus, und im Zusammenspiel mit wechselnd blauem, grauem, weissem und Sternenhimmel sowie der typisch bolivianischen Landschaft ist der Blick in die Ferne einfach unschlagbar.

Am naechsten tag gings dann morgens (mit einigen Andenken mehr bestueckt) wieder ab zum Boot. Vorher noch lassig fruehstuecken, die Dame des Hauses nach der Anfahrtszeit fragen - ach, ne halbe Stunde frueher als gedacht ?! - und zum Steg rennen. Beim Treppe runter rennen (so gesehen doch erstaunlich was die alten Inkas alles mit Zement anstellen konnten...) mit drei Rucksaecken fast alle Beine gebrochen, gerade noch so die Karten gekauft und noch vor den ersten Regentorpfen ins (natuerlich) voellig ueberfuellte Boot gehechtet. Der regen stellte sich dann doch staerker heraus als vorher angenommen. Der Bootsfuehrer musste sich gar ein Muellsack-artiges Cape leihen (aber erst nach ner halben Stunde Niesel- und 10 Minuten Platzregen... ;D)! Trotz allem brachte er uns voellig ungeruehrt auch ohne Sicht nach Hause.

Da gings dann in altbekannter Manier erst locker (Silvana: Ooooh, Ohrringe!!!) und dann hastig (wie der bus faehrt da ganz oben ab?!) weiter. Im Endeffekt kamen wir dann aber doch noch recht ruhig in La Paz an (troz Buspanne an Faehre) und konnten den Abend diesmal ruhig zu hause ausklingen lassen.

 

Am naechsten Tag hatte Tourguide Miguel dann als grossartig origenellen und wahnsinnig authentischen Spass die Feria in El Alto ausgespaeht. Was fuer eine wahnsinnig tolle Superidee! Den Ausblick hatten wir schon am zweiten Abend genossen, aber das sollte noch getoppt werden. Der sofort bei unserer Ankunft eintretende Platzregen stoerte niemanden und wechselte auch nur selten zu Hagelschauern, sodass uns die um 0 Grad tendieren Temparaturen kaum auffielen. Unser Glueck war Nancy dabei zu haben, damit auch keiner vergisst, wems hier am allerschlechtesten geht und welche Stadt die bloedeste auf der ganzen Welt ist.

ABER: ICh hab Schuhe in meiner Groesse und nen Pulli gefunden! Wenn das mal nichts ist. Und Christel und Silvana waren den Umstaenden entsprechend (hoofentlich) auch ganz zufrieden.

 

Am naechsten Tag sollte es dann weitergehen. Sollte, haette es in Rurrenabaque (wo man sich eine hochmoderne Graslandebahn zugelegt hat) nicht auch geschifft. Fluege bis auf weiteres gecancelt. Also heute noch mehr shoppen, und am naechsten Tag nach Rurre.

Am naechsten Tag sollte es dann weitergehen. Sollte, haette es in Rurrenabaque (wo man sich eine hochmoderne Graslandebahn zugelegt hat) nicht auch geschifft. Fluege bis auf weiteres gecancelt. ... so haette das dann ewig weitergehen koennen. Stattdessen haben wir uns fuer eine Jeepfahrt entschieden. Ueber Huppelpiste, streckenweise sehr aehnlich dem Profil der alten Todesstrasse. Positiv. Jeep ist klein, faellt also nicht so leicht von der Strasse, war fast 150 Bolis billiger als der Flug (...), ist drei Stunden schneller als der Bus (... ...) und wir hatten zu viert plus Fahrer im eigentlichen 6er jeep verhaeltnismaessig viel Platz. Ihr fragt warum zu viert? Kommen wir zu:

Negativ: Nancy war dabei. Und war bolivianischen Fahrstil mal ueberhaupt nicht gewoehnt. An den Angstzustaenden konnte man deswegen noch mal besser teilhaben, da aufgrund von Streckenbeschaffenheit und Hitze an Schlaf nicht zu denken war...

Aber gut, irgendwann waren wir dann da, wurden von Guide Domingo (=Sonntag) begruesst, ins Boot verfrachtet, und durften uns in dem laenglichen Kahn dann schon mal die ersten Tiere reinziehen. Und natuerlich ausgiebig fotografieren, wir elenden Klischee-Touristen ;P. Mit dabei waren auf dieser ersten Fahrt diverse Voegel (Adler, Reiher, irgendwelche kleine), Affen (kleine gelbe, grosse Bruellaffen (wenn ich das richtig uebersetze)) und sogar ne gruene Mamba. Und an unserer Huette (mit ordentlich Haengematten und nachts Muecken ausgestattet) lagen dann erstmal zwei Kaimane direkt vorm Blakon im Wasser rum. Warum auch nicht?

In den folgenden zwei tagen haben wir uns dann noch zweimal an verschiedenen Orten den Sonnenaufgang angeschaut und dabei ueberteuerte Erfrischungsgetraenken konsumiert, sind mit den Fluss-(!)-delfinen geschwommen, haben Anacondas gesucht und sie nach etwa tausend Millionen Moskitos gefunden, Pirañas geangelt und verzehrt und auch nochmal 'nen ordentlich dicken Alligator bei uns vor der kueche begruessen duerfen. Die Tourbetreiber nannten ihn "Kleiner"...alte Scherzbolde. Achaj, und Nancy wurde doch tatsaechlich von im Dschungel voellig ueberraschend anwesenden Insekten gebissen (in dem fall rote Ameisen) hat rumgetobt und befunden: "Scheisse, Scheiss-Woche, alles was mit Scheiss-La Paz zu tun hat ist scheisse!" Ich hab sie wirklich ins Herz geschlossen.

Die Rueckfahrt war dann aehnlcih entspannend wie die hinfahrt, aber auch die haben wir ueberstanden, und dann an den folgenden 2 Tagen irgendwie auch noch eine Tour fuer Christel und Silvana nach Cusco/Machu Picchu gebucht gekriegt, Nancys Abschied beweint und uns DAS SPIEL angeschaut (jaa, wir ind rechtzeitig!!! - siehe Beitrag #2).

 

Morgen kommen Christel und Silvana nochmal nach La Paz zurueck, um dann uebermorgen nach Deutschland zu fliegen. Ich hab mich auf jeden Fall sehr gefreut beide nach laengerer Zeit mal wieder zu sehen, ihnen die Stadt zu zeigen und mit ihnen zu reisen. Also ein sehr gelungener Besuch.

Trotzdem faellt mir der Alltag hier wahrscheinlich leichter.

 

Somit auf bald!

Euer Diego Armando

 

P.S.: Einige ungeordnete gedanken zum Abschluss:

Warum kommen Menschen (sagen wir mal, sie hiessen Trixi) die ueberhaupt nicht mit Unordnung, Schmutz, kaputten Klos, Verkehrschaos, Smog, fehlendem Komfort, wildem Fahrstil, schlechten Strassen und gefuehtlen Pi-tausend weiteren Sachen klarkommen nach Suedamerika?

Als Backpacker?

Und warum muss ich sie da treffen?

Und warum zur Hoelle taetowieren sich solch unglaubliche Abenteuerliebhaber Spinnen auf die Fuesse? Warum???

 

...ganz im Ernst, wie man wahrscheinlich gemerkt hat, greift mich sowas als Moechtegern-Paceño schon ziemlich an. Deswegen reagiere ich wahrscheinlich ueber... vielleicht... nee, eigentlich nicht.

P.P.S.: Christels und Silvanans Zeit hier hat mich veraendert. Ich hatte gerade Marmeladebrot und tee zum Fruehstueck. Um halb 9. Es sieht so aus, als wuerd ich heute sogar noch zwei weitere male zu normaler Zeit fruehstuecken. Der helle Wahnsinn. Ich will wieder Wuerstchen mit Knoedeln um 11!!!

P.P.P.S.: Ueberlest alle Schreibfehler, die inneren Werte zaehlen!

 

 

 

 

4.4.09 17:56

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