03.05.2009:...faellt mir jetzt auch kein lustiger Titel zu ein.

Jedenfalls sind wir im Rahmen unserer Voluntaersaktivitaet In die Haupt-, sowie in die frueher reichste und heute aermste Stadt Boliviens gefahren. Also nach Sucre und Potosí. Gefehlt haben Ela, Charlotte, Linda und Sophie, entweder weil sie noch mit verwandten hinfahren, oder weil sie krank waren. Mit dabei waren dafür unsere neue Mit-Voluntaerin Sabrina, Johannas Bruder Christian und ein Kuechenhandtuch, mit dem sich Samuel in Ermangelung eines Badetuches 4 Tage lang abtrocknete.

 

So oder so, los gings am Mittwochabend, also am 23.04., mit dm Bus nach Potosí. Eine unglaublich kalte, jenseits aller Vorstellungskraft entbehrungsreiche Busfahrt wurde uns vorher gesagt. Nachdem wir uns unter unseren 7 Roecken an die 40 Grad warme Heizung im Bus gewoehnt hatten, gings aber eigenlich ganz gut.

Ueberraschend schnell waren wir dann in Potosí, wo wir uns dann in unseren ganz anstaendigen, fuer kleinwuechsige 8-jaehrige Hostal nochmal 2 Stunden ausgeruht hatten, gings zum Fruehstücken in einem öffentlichen Comedor (Api und Buñuelo=dickfluessiger Beerensaft und Fettgebackenes=geil ... hab ich auf der fahrt ungefaehr 4 mal gegessen) und danach in das reisebuero, dass uns in die Minen von Moria ...aeh, Potosí im Cerro Grande fuehren sollte.

Das ganze ging so touristisch los, wies dann im Endeffekt auch war. Aber das bisschen Peinlichkeit bei der Fuehrung als gringogruppe ueber den Bergarbeitermarkt vor den eigentlichen Stollen wars mehr als wert. Zuerst kauften wir jedenfalls Geschenke fuer die Bergabeiter, die man traditionell (das Alter der Tradition ist fuer mich fragwuerdig) den erstbesten Kumpels des Fuehrers gibt, oder ebenso traditionell (und deutlich weniger fragwuerdig) an einem der Altaere innerhalb der Minen entweder Jesus oder dem "Tío" dem Teufel des Stollens und der Mutter Erde, der Pacha Mama opfert. Hqauptsaechlich gehts dabei um Cocablaetter, die gekaut die Nerven beruhigen, hochprozentigen Alkohol (der natuerlich nur gaaanz selten konsumiert wird) oder starke, handgedrehte Zigaretten.

Die Minen selber machten dann nicht den vertrauenserweckendsten Eindruck. Das durchschnittliche Lebensalter der Arbeiter wurde uns bei 40 jahren angegeben, man fanegt auch schon mal mit 14 an, in die minen zu gehen, und wissenschaftlichen Berechnungen nach stuerzt der Berg wohl in spaetestens 15 Jahren zusammen.

Heissa Bolivien!

Eine Zeitung hat zudem fuer 2008 ermittelt, dass in dem Minen 19 Menschen gestorben seien. Unser Fuehrer war erfrischend hrlich: Er gehe fest davon aus, es seien deutlich mehr gewesen. Vor allem austretende Giftgase rafften die Arbeiter relativ zuegig und aussichtslos dahin.

 

Wie dem auch sei, ausgeruestet mit Gummstiefeln, Arbeiteranzuegen, Helme und den zugehoerigen Lampen machten wir uns in die erstaunlich engen und seltsam geformten Gaenge auf. Auch dafuer gab es eine einfach, ehrliche Erklaerung: Der Berg wird bei seiner Bearbeitung nicht etwa von Ingenieuren oder Geologen ueberwachten, jedenfalls nicht solang, wie nicht der Staat zur kontrolle vorbeischaut. In der Zwischenzeit verpachtet der Staat einfach teile des bergs an sehr reiche Leute, die wiederrum verpachten teile ihres Teiles an Gewerkschaften udn die wiederrum verpachten an weniger reiche, aber immer noch reiche paechter, die wiederrum irgendwelche Arbeiter anstellen, die dann einen kleinen Teil eines Stollens bearbeiten duerfen. Eigenstaendig. Dazu kaufen sie sich ihre eigenen Materialien (Alkohol und Coca werden in dieser Auzaehlung genauso gleichberechtigt genannt wie Dynamit), und dann sprengt einfach jeder dahergelaufen Quispe oder Mamani lustig im Berg rum.

 

Nach diversen Abenteuern und weiteren Erklaerungen (keine Frauen im Stollen, keine ungeraden Zahlen im Stollen, kein Salz im Stollen, andere Ungluecksbringer, Llamablut an Waende, andere Gluecksbringer, durchschnittlicher Verdienst, andere unglaublich geringe Zahlen an die ich mich grade nicht erinern kann...) kamen wir dann alle heil aus dem Stollen raus,  sprengte draussen nochmal eben was in die Luft und begaben uns reichlich erschoepft zurueck in die Stadt.

 

 Da besuchten wir dann die "Casa de la moneda", ein Geldpraegemuseum, einer der wichtigsten Glanzpunkte in der bolivianischen kultur, wenn man den Bolivianern Glauben schenkt. Insgesamt war das ganze auch rech interessant, haette unsere fuehrerin nicht ihr Bestes getan, um mit ihrer sonoren Stimme ein Wachbleiben zu verhindern. Tatsache ist trotzdem, dass potosí einst der Stolz der spanischen klonien war, mehr Einwohner hatte als London, Paris oder Madrid und den Ausspruch praegte "Eso vale un Potosí" (=das ist ein Potosí wert), um einen unvorstellbar hohen Wert auszudruecken. Fakt ist auch, dass es dem bergbau zur Zeit mehr als schlecht geht und Potosi somit die Aermste und wahrscheinlich zukunftslosseste Stadt in ganz Bolivien ist.

 

Nach diversen staerkenden Essen und Nickerchen gings dann am naechsten tag getrennt weiter. Wahrend einige die Stadt und ihre kirchen unsicher machten, wagten Julia, Eva, Barbara, Christian, Max, Sbi und ich einen Abstecher zu den nahen heissen Quellen. Die waren nach Ankunft (nach 4-stuendiger verwirrter Wanderung) groesser als gedacht, und, nach ueberzeugter Auskunft des aelteren, Quechua-staemmigen Bewachers komplett bodenlos. Trotz dieses kleinen Makels war der Ausflug super. Das Wasser perfekt temperiert, ringsum unglaublich beeindruckende Bergkette, ausser uns nur zwei nudistische Camper anwesend und nebenan sogar ein erhoehtes Podest von dem man springen, oder anderen Voluntaeren den Kopfsprung beibrigen konnte - genial.

 

Abends (nach staerkendem Api und Buñuelos) gings dann weiter nach Sucre. Die eher kurze 3-stuendige Busfahrt verlief relativ ereignislos, ausser dass ich nach den gefuehlten 3000 Hoehenmetern Abfall 2 Tage lang kaum hoehren konnte. Das schmaelerte Sucres Schoenheit nicht,. Ebenso wie potosí mit diversen Kolonialgebaeuden ausgestattet, war Sucre noch deutlich weisser und weitlaeufiger als Potosí. Uber die beiden tage Aufenthalt verteilt besuchten wir ein Webkunstmuseum (mittelinteressant), ein Geschichtsmuseum (mittelinteressant - Bolivien hatte schon mal ne weibliche Praesidentin?!), eine Disko (ganz gut - warum siehts nach 2 Minuten immer so aus, als wuerde ich mit max tanze?!), einen Mirador=Aussichtspunkt (sehr schoen - wann laesst uns die Inka-musikgruppe endlich in Ruhe) und mehrere Internetcafes (Bayern verliert gegen Schalke - wann wird Max wieder Ruhe geben?!).

Am interessantesten hire war sicherlich unser Ausflug zur "Glorietta", dem Schloesschen eines italienischen (...oder so) Prinzen. Der Architekt khatte vorrausschauend schon damals den STil des Aladdinbereiches im Disneyland perfekt getroffen. Hoehepunkte: Der Aussichtsturm des Prinzen, die Behauptung, der Garten waere Versaille nachempfunden (die A4 ist Versaille aehnlicher) und unsere Blicke auf das voellig abgefatzte Schloss nach der Enthuellung, es sei erst vor Monaten renoviert worden.

 

Am Abend nach diesem Ausflug gings dann wieder nach hause nach La Paz, und entgegen aller Beteuerungen war diese Busfahrt wirklich fuerchtlich und fern alles aushaltbaren kalt. Aber nur im T-Shirt bekleidet geweohnt man sich an alles, vor allem wnn Jackie Chan einem im Bus-Tv die halbe Nacht vom Groebsten ablenkt.

 

Sucre und Potosí haben mir auf jeden Fall besser gefallen als z.B. Santa Cruz oder Cochabamba. Und trotzdem fuehlt es sich immer wieder gut an, von El Alto aus die Autopista nach La Paz runter zu fahren; einfach wieder da zu sein.

Inzwischen sind es weniger als 3 monate, bis ich wieder nach deutschland fliege (genaugenommen 86 tage), und alles fuehlt sich immer seltsamer an. Die Zeit vergeht irgendwie sprunghaft, mal schnell, mal langsam und gleichzeitig hierbleiben und weggehen zu wollen ist auch nicht unbedingt verwirrungsfrei.

Ich hoffe ich werd noch ausfuehrlich reisen koenne, die kommende "Fiesta del gran poder" auch mittanzend geniessen koennen und dann zufrieden nach hause kommen. Ich freu mich schon drauf.

 

Jetzt aber raus hier!

Euer Santa Maria

3.5.09 19:46

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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Maman (5.5.09 19:39)
Total witzig geschrieben,ich hab mich beölt!! Obwohl es im Grunde die Bohne nicht witzig für die Menschen ist,die in den Minen arbeiten müssen!!
Interessieren würde mich ja auch, wie es kommt,dass es immer so aussieht,als ob du mit Max tanzt?

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