22. - 24.05.09: ¡Recuperemos nuestro mar!

        Lasst uns unser Meer zurueckerobern!

So sagt man in Bolivien mal ganz gerne. Oder schreibts nachts an irgendwelche Waende. Oder bringts Kinder in der Schule bei. Oder gibts in seinem Amt als Staatspraesident als aussenpolitisches Ziel aus...

Der geneeigte Leser erkennt, das mit dem Meer nimmt man hier mehr oder weniger ernst. Und zwar obwohl das mit dem Meeresverlust jetzt auch so ca. 200 Jahre her ist (fragt wikipedia wenn ihr Zahlen wollt). Also haben Fidel und ich uns kurzentschlossen (und weil uns Fluege nach Santiago de Chile zu teuer waren) aufgemacht, um Ex-Bolivien auszukundschaften und (so Fidel) gegebenenfalls die Rueckeroberung einzuleiten.

 

Die entsprechende Stadt zumverlorenen Gebiet war Arica. Geruechte und Berichte anderer Volutaere besagten zwar bereits seit laengerm und uebereinstimmend, die Stadt sei an Haesslichkeit nicht zu ueberbieten, aber was tut man nicht alles fuer nen neuen Stempel im Reisepass. Begleitet hat uns ausserdem Jan Hecker, Voluntaer bei Vamos Juntos, einer verfeindeten und allgemein boeswilligen Organisation (;P), die auch in La Paz mit Schuhputzern arbeitet. Die Hinfahrt war fuer Suedamerikaverhaeltnisse mit 8 Stunde recht vertraeglich kurz, dafuer aber arschkalt. Aber man kennt das ja, hat man wenig an, faehrt man ohne heizung im Cabrio-Bus uebers Altiplano, bei allem ueber Drei Lagen an einem selber faehrt der fahrer am liebsten nackt und deswegen mit der Heizung auf 50 Grad. Nachdem wir an der chilenischen Grenze dann ausgiebig auf Schweinegrippe (verstaendlich) und die unerlaubte Einfuhr von Fruchtfliegen (unverstaendlich) kontrolliert wurden, und ebenda auch den wunderbaren Ausblick auf den Sajama (hoechster Berg Boliviens, habe ich je beahuptet, der illimani sei hoeher, so log ich) genossen haben, gings dann noch mal n paar Stunden durch die Landschaft.

 

Und - was soll ich sagen -

...warum die Bolivianer das zurueckhaben wollen ist mir schleiherhaft. Sieht an sich genauso aus wie das Altiplao, nur ohne die endlose flache Weite sondern mit dem ein oder anderen Huegel und an sich wahrscheinlich komplett unfrucht- und unbrauchbar. Dafuer gings ab der Grenze durchgaengig bergab, also von irgendwas zwischen 3000 und 4000 Meter auf nN, was dazugefuehrt hat, dass ich halb taub in Arica ankam.

Schade eigentlich, halbblind waere mit eigentlich lieber gewesen. Der es Blick auf die Stadt war atemberaubend haesslich. Die Plattenbauten, die wirklich das komplette Stadtbild beherrschten. der graue Himmel, die braune Staub- und Steinwueste ringsum und obendrauf noch die viel europaeischere Infrastruktur, die dem ganzen uch noch den abgefatzten Charme von La Paz raubt vereint sich insgesamt und objektiv betrachtet zu einem Albtraum von eier Stadt.

 

Aber wir waeren keine jungen, wilden und ungepflegten Voluntaere, haetten wir nicht das beste aus der Sache gemacht. Also gings direkt nach der Ankunft erstmal an den Strand (nicht ohne vorher im Internet festzustellen, dass die Preise wirklich horrend viel hoeher sind als in Bolivien). Auch der, unter den weltweiten Straenen nicht der schoenste. Irgendwie ein liebloses Gemisch aus Sued- und Nordseestrand. Trotzdem, am Strand angekommen war ich schon zufreden, die reise gemacht zu haben. Das Meer zu sehen lohnt sich meiner Ansicht nach einfach immer...

 

Nach dem ersten Meeresbesuch (natuerlich mit Baden und Wellengehopse - vor allem bei mir wie bei 10-jaehrigen) haben wir uns dann erstmal bei McDonalds gestaerkt (ich gebs wieder zu, ich vermisse es einfach!) und sind noch n bisschen durch die Stadt geschlendert. Auch hier wieder der Eindruck: Erscheckend europaeisch. Auch die Chilenen wirken viel europaeischer als die Bolvianer, und dadurch leider auch etwas weniger herzlcih und natuerlich. Aber der Eindruck mag zugegebenermasen auch schon ein bisschenvom Bolivianer in mir beeinflusst sein.

Am naechsten tag gings dann naturgemaess wieder an den Strand - nicht jedoch, ohne vorher das BL-Finale im Hostal auf ESPN angeschaut zu haben. Grade mit den beiden Bayern-Fans Fidel und Tassilo (war in Arica zum Ende seiner Chile-Reise zu uns gestossen) dabei ein ziemlicher Spass. Was ich denen gegenueber jedoch nicht so richtig sagen darf: Dass der Vfl Wolfsburg sich jetzt Deutscher Meister nennen darf, behag mir nicht so richtig. Aber egal. Der Strand war wieder gut, diesmal vor allem wegen der wahrscheinlich weltbesten Empanadas (gefuellten Teigtaschen) in einer Surferbar, dem zugfehoerigen Surferstran, der fuer Badegaeste gesperrt war, von uns aber naeuerlich tortzdem bebadet wurde  und der tragikomischen Begegnung mit einer toten Robbe, der recht direkt am Strand in aller Seelenruhe ein Auge auslief. Nun ja...

 

Danach wollten wir eigentlich abends noch einen draufmachen, junge racker die wir sind, aber das ging insgesamt doch eher in die Hose. Zuerst wollten wir in einem Strassencafé/Bar eine Musikantn kein Geld geben, so dass er sich gezwungen sah, uns zu beleidigen, gerne auch bezueglich unser Nationalitaet und unserer Sprachkenntnisse. Als wir nicht reagierten, versuchte er es nochmal deutliche, und naeherte sich meinem Ohr auf ca. 3cm an. Wie man mich kennt fragte ich ruhig und besonnen nach seinem Begehr, konnte aber einen leicht wuetenden Ausdruck nicht von mienem Gesicht fernhalten, so dass der junge mann nach seinem Abzug noch einige Male am Café vorbeigelatscht kam, und mir bedeutete, dass er und seine Drogen verkaufenden Kumpel um die Ecke auf mich warten wuerdn, um so dies und das mit meinem Hals anzustellen.

In selbiger Bar hatten Jan und Tassilo auch die Bekanntschaft zweier sehr aufgeschlossener Norwegerinnnen gemacht (wie sich spaeter rausstellte um die 30 und Grundschullehrerinnen - was die strunzbesoffen in Chile treiben wolte ich dann doch nicht nachfragen...), die sich mit us in einen Club begeben wollten. Die Idee schien daran zu scheitern, dass der einzige empfohlene Club in Arica hnderttausend Geld Eintritt kosten sollte. Einfallsrecih wie wir sind, zogen wir also etwas durch die Stadt, und fanden auch bald ein vielverpsrechendes Etablissement names "Night Club". Wer sich jetzt fragt, warum uns nicht aufgegangen ist, dass "Etablissement" genau die richtige Bezeichnugn fuer den Laden ist, fragt sich das gleiche wie ich im Nachhinein. Im Vorhinein sind wir jedoch einfach mal reingelatscht. Haben uns hingesetzt. Haben erkannt, dass es ein Etablissement war (auch deswegen, weil einem von allen Seiten Ä***** entgegenblitzen - das wiederrum deswegen, weil an allen Seiten Spiegel besagte Ä***** refelektierten). Haben entschieden, nicht wie Weicheier wirken zu wollen und ein schnelles Bier zu trinken , um dann wieder zu gehen. Haben uns aufgrund der horrenden Bierpreise aus dem Staub gemacht.

So endete dann auch mein letzter Abend in Chile, da ich nach diesem Super-Erlebnis todesmutig nach Hause (bsw. nach Hostal) abmarschiert bin, ohne jedoch meinen Rasta-gelockten Kuenstlerfreund wiederzutreffen.

 

Insgesamt bleibt zu sagen: Arica ist echt haesslich, geht nicht hin. Arica ist echt teuer, geht nicht hin. Aricas Nachtleben ist echt lahm, geht nicht hin.

Das Meer ist ueberalle der Hammer, die reise hat sich gelohnt, ud damit ich beim naechsten mal ueber keine Grenze mehr muss:

¡¡¡Recuperemos nuestro mar!!!

 

Mit wildem Kriegsgeschrei,

euer Eduardo Avaroa

 

5.7.09 21:31

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