06.06.09. : Tanz, Esmeralda, tanz!

Auf also zur zweiten Runde der Berichte, die ich seit Wocen schuldig bin: Hoert und staunt ueber die gar vielfaeltigen Abenteuer, die es bei der Fiesta del Gran Poder su erleben gab!

 

Zuerst mal die Grundinfos die Gran Poder ist wahrwscheinlich das zweitwichtigste folklorische fest in ganz Bolivien, nach dem Karneval in Oruro und hat dementsprechend auch mit dem zweitlaengsten Folklore -Umzug in ganz Bolivien auf zu warten. Geht immerhin von 7.00 bis 2.00 nachts am naechsten Tag. Von wegen Kölle Helau!

Der Umzug ist natuerlich Kernstueck (weil eigentlich einziges Stueck) der Party, und entsprechend lange wird sich darauf vorbereitet; entsprechend lange Tradition haben die Gruppen; entsprechend wichtig ist das ganze den Teilnehmer. Getanzt werden diverse bolivanische Volkstaenze, hauptsaechlich Morenada, aber auch die eine oder andere Diablada, Caporales, Salaque (schreibt man das so?), Salla (schreibt man das so ???) und auch Tinkus. Der beste tanz. Der schoenste tanz. Der schwerste Tanz.

 

Ihr werdet es nicht erraten, wir haben Tinku getanzt! und bei aller Angeberei, der tanz ist tatsaechlich recht anspruchsvoll und kraefteraubend, Kenner der Szene bestaetige es lebhaft. Dementsprechend lange haben wir uns vorbereitet, etwa 2 Monate lang 2 - 3 Mal Training pro Woche jeweils 1,5 bis 2 Stunden. Dabei sind ann insgesamt 6 tanzschritte (2 simple zur Fortbewegung und 4 komplizierte zum Vorfuehren vor groesserem Publikum) rausgekommen, die wir dann am Ende auch alle mehr oder weniger (stil-)sicher tanzen konnten.

Tinku kommt urspruenglich - immer vorrausgesetzt, dass ich die vielen verschiedenen Stories zu dem thema richtig zusammensetze - aus der Region Potosi. Zum einen wurde mir dazu berichtet, er sei die taenzerische Darstellung (nein, nicht "Tanz deinen Namen!"  eines altn Konfliktes zwischen 2 Stammesgruppen der Region, die sich regelmaessig (und teilweise bis heute) zu geregelten kaempfen treffen, die immer mit dem Tod eines der Teilnehmer enden muessen. Die leicht unterschiedliche zweit Version besagt, dass der Tinku ein Kampftnz ist, bei die beiden Teilnehmer sich tanzend verdreschen, ebenfalls bis zum Tod des Ungluecklicheren. In beiden Faellen gilt das vergossene Blut den Aymara als Opfer fuer die Pachamama, die Mutter Erde. Harte Sitten hier.

 

Wir hingegen haben versucht, den Blutverlust schon bei der sogenannten Pre-Entrada, also der Generalprobe ueber immerhin schon 1,5 Stunden so gering wie moeglich zu halten, was uns auch gelungen ist. Da wir sogar die Fehlerzahl eindaemmen konnten (was mir recht wichtig war, als Taenzer in der vordersten Reihe faellt so ein Fehler dann auch schon mal auf) schien es angebracht, nach ueberstandenem Umzug die Alkoholzufuhr zu erhoehen... aehm... ich kann nur sagen, dass jeder echte Bolivianer schon ml um 4 Uhr nachmittags rappelvoll war.

 

Gestaerkt fuer durch die guten Erfhrungen vom Vor-Wochenende gings dann am naechsten Wochenende in die ersehnte Entrada. Unser Start war fuer 11 geplant, wir fingen um 8 an uns vorzubereiten, und als wir um 20 nach 11 am Treffpunkt erschienen, waren wir unter den Ersten und zu unserem Start fehlten noch mindestens 40 Minuten. Was uns Zeit gab, letzte Regelungen am kostuem zu treffen. Die schwarze Hose und das kraeftig blaue Hemd machten keine Probleme, die selbst-verschoenertem Gummiandalen mit 2 Paar Socken drunter auch nicht mehr, die verschiedenen um den Koerper geschlungenen Schal wurden mit Sicherheitsnadel befestigt und der grosse, schweeeere (Mann, war der schwer!) verstaerkte Lederhelm kurzerhand mit Tempo-Fuellung und Gummiband stabilisiert. Dazu gabs in die hand noch 'ne Steinschleuder aus Seil und um den Bauch ein Ahuayu (schreibt man das so???). Das diente dann auch zur Aubewahrung von Getraenk, Bananen, Bonbons und (klar) Coca.

 

Und ohne das waers wahrscheinlich nicht gegangen. Denn unser Tanz durch die Stadt ging am Ende insgesamt 5 Stunden durch halb La Paz. Und trotz unserer wahrscheinlich eher maessigen Performance (auch die teilnehmenden Bolivianer aus der Fundacion tanzten Tinku erst seit 2 Monaten) haben wir auch anstaendig Applaus bekommen. Kalr, zum Grossteil auch weil wir ungefaehr 15 Weisse (darunter auch Nicht-Fundacions-Voluntaere) unter den ca. 50 taenzer unserer gruppe waren. Aber auch, weil wir mit der Zeit und somit vor allem gegen Ende des Parcours, also an den wichtigsten Stellen an Perez, Prado und Camacho immer lockerer wurden. Wahrscheinlich weil die Beine schon taub waren und das Coca ins Hirn gezogen ist, aber auch, weils einfach Spass gemacht hat. Wenn die Schritte gut laufen, alle mitmachen und auch das Publikum jubelt, dann haelt man ehrlich gesagt relativ viel aus.

 

Ehrlich gesagt, fand ichs am Schluss sogar recht schade, dass das Ganze vorbei war. War also auf jeden Fall ein tolles Erlebnis. Danach haben sich dann noch alle Taenzer am Ende des Kurses getroffen, ausgetauscht und vielleicht den ein oder anderen Schluck Bier zu sich genommen. Aehm ... jeder echte Bolivianer war schonmal um 0 uhr rappelvoll...

 

Achja, meine Fuesse hab ich am naechsten Tag dafuer dann doppelt gespuert.

 

Es gruesstç

Evo Morales

...der statt bei der Gran Poder lieber beim Fussball war... Mist!

5.7.09 22:23

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