26.-28.06.09: Hüinaa!

Oder auch: Huayna Potosí. So heisst jedenfalls der Berg, auf den Daniel, Max, Sebi, Charlotte (alle Voluntaere der Fundacion), Jan, Tassilo (Vamos juntos) und ich gemeinsam bestiegen haben. Plaene dazu gabs seit langem (eigentlich schon seit dem Vorbereitungsseminar in Deutschland) durchgefuehrt wurden ie jetzt kurz vor Schluss.

 

Los gings damit schon am Donnerstagabend, mit dem grossen Nudelschmaus bei Vamos Juntos daheim. Abfahrt war dann am Freitagmorgen um 8.00 (lies 9.00) am Reisebuero unseres Vertrauens. Mit dabei die drei Fuehrer Josué (ein netter Mann), Jackie Chan (egal ob er wirklich so heisst, er wird noch an Bedeutung gewinnen) und Super Mario (Mario heisst er wohl wirklich, das "Super" haelt er selbst fuer angebracht, und das ist bei 1,60 Koerpergroesse ja auch das wichtigste). Jedenfall wurde wir erst mit dm taxi zu einem eigenen Minibus, und dann mit dem eigenen Minibus (und eigenen Kuehlerproblemen) zum Huayna chauffiert.

 

 Dort angekommen haben wir kurz Quartier bezogen (erstaunlich annehmbar, ein sauberes Matratzenlager auf dem Dachboden einer groesseren Holzhuette) und sind dann mit Josue und Jackie zum Eiskletter-training losgezogen. Und zwar mit Ausruestung in Form einer Winterjacke, einer Skihose, einem Paar von Handschuhe, Schneetiefeln (vergleiche > Skistiefel), Spikes zum anschnallen an die Stiefel aus Hartplastik und einem Eispickelder auch als Stuetze zu verwenden war.

Schon bei den paar Stunden Probeklettern wurde klar. Voellig einfach ist das ganze nicht. Eher sogar furchteinfloessend schwer Vor allem weil keinem von uns so richtig klar war, wie viel solcher Waende uns denn erwarten (die meinung tendierten zu gar keine, aber was wissen wir schon?).  An dem tag jedenfalls uebeten wir uns reihum an 2 mal 5 Metern glatten Eises dass in einem Winkel von 60 bis 80 Grad in die Hoehe ragte. Also nicht von schlechten Eltern.

 

Nach fruehem Abschied ins Bett und nstaendigem Abendessen und Fruehstueck (jeweils von den Fuehrern bereitet und von ausreichend Cocatee begleitet) gings dann bis zum Basislager auf 5130 Meter hoch. Das schwierige war dabei nicht der Weg, der bis auf einige Meter  eigentlich einem bergwanderpfad entsprach (wobei diese einigen Meter eine Steinkletterpartie auf losem Geroell boten) sonder die komplette Ausruestung, die wir in unsere rucksaecken auf dem Rueken schleppten. Die gute Stunde die Charlotte an Rueckstand auf uns im Ziel hatte, veranlassten Mario schon am Samstag zur Vorhersage, sie wuerde die Spitze nicht erreichen...

Auch an diesem tag gings wieer frueh ins Bett. Esen gabs auch, das Mittagessen wie gehabt anstaendig, das Abendessen...

Hat Fisch eigentlich Knochen? Naja, egal, auch das glaubte wir ueberstanden zu haben, so dass wir uns wie gesagt frueh schlafen legten. Wobei von Schlaf wohl nicht viel zu sprechen war. Vor allem meine Mitstreiter muessen sehr gelitten haben ("Ich hab soo schlecht geschlafen", "Ich hab kein Auge zugetan", "Ich hab mir heute Nacht den Fuss verletzt"...), aber dank ausgiebigen Nickerchen schon am Samstag-Nachmittag, gingen wir doch alle recht ausgeruht in den eigentlich Aufstieg, der um 0 Uhr beginnen sollte. Als wir dann so gegen 2.00 den Aufstieg begannen stelte sich heraus, dass uns wohl doch nicht allen so gut war. In unserer Dreiergruppe wurde ein junger Mann (entweder Daniel, Max oder Ich - Ich wars nicht) dringend Beduerfnisse, sich von den Thunfischausduenstungen zu erlecihtern, die er sich am Vortag eingehandelt hatte. Uns um sich den Aufstieg nicht zu erscheren, tat er das auch...

 

Trotz allem schleifte Mario, unser persoenlicher uehrer (Jackie war bei Sebi, Jan und Tasillo, Josue betreute Charlotte) uns recht zuegig den berg hoch. Zwar gab es die ein oder andere Panne zu beheben ( schlecht sitzende Spikes, kaputtes Kopflicht, traenendes Auge, nachdem Mario beim Lampe-Reparieren Gummibaender in anderleuts Auge (meins) schnacken laesst), aber bald waren wir die ersten im feld der Aufsteiger, auch vor verschiedenen die deutlich vor uns los sind. Mario hat eben einen Ruf zu verteidigen.

Grade als wir "die Spitze uebernommen hatten" begann ein etwas schwererer und damit der anstrengendste Teil des Aufstiegs. Vor allem, da es imer noch dunkel war, war der ziemlich steile Part eines ca. 20 Meter hohen, (natuerlich) schneebedeckten Hanges knifflig und auch recht anstregend. Hier kamen auch die Spikes und die Picke zum erstmal richtig zum Einsatz, waehrend wir teilweise auf haenden und Knien den Huegel erklommen.

 

Spaetestens danach war unsere Einschaetzung des Aufstiegs von "hart, aber machbar" zu "...hae?" uebergegangen. Der folgende, windige, bald vereiste teil des Weges bestand immer mehr nur noch daraus, einen Fuss vor den anderen zu setzen und auf die naechste pause zu hoffen. Waehrend dieser man sich jedoch Finger und Zehen abfror, sodass es immer zackig weiterging, mit wechselnden, aber machbaren Steigungen.

Hart kam es dann, als wir eine ca. 10 Meter Tiefe (jedenfalls was ich gesehen habe) Eisspalte ueberbruecken mussten. Wer das Pc-Spiel Load-Runner kennt, der weiss wo von ich rede. Ueberzogen war das ganze naemlich nur von einem natuerlichen, ca. schulterbreiten 5 Meter langen Eissteg. Gut, dass ich letzter unserer reihe war , und die anderen mich am Sicherungsseil mit drueber gezogen haben, ueber das ganze nachzudenken waere wohl nicht so gut gekommen.

Und hierrauf folgte direkt die haerteste Kletterpartie des Berges. Waherend ich seit ca. 2 Stunden dachte, nun waere es wohl nicht mehr weit, wurde an der Stelle kalr, dass wir zum Ende kommen - wie, war mir noch nicht ganz klar. ier waren naemlich wieder Kletterkeunste gefragt, und diesmal deutlich steiler, mit deutlich weniger Halt (Bei einem Eis/Fels-Gemisch verstaendlich) und auch eher doppelt so lang wie vorher. Mal abgesehen davon, dass wir auch langsam aber sicher am Ende unserer Kraefte ankamen.

 

Gern wuerde ich mehr von diesem Abschnitt erzaehlen, aber ehrlich gesagt erinnere ich mich kaum noch dran. Nur dass ich keine Ahnung hab, wie wir da im Dunklen raufgekommen sind weiss ich mit Sicherheit.

Aus der Wand raus, fanden wir uns auf dem bergkamm wieder, wo ein diesmal weniger als Schulterbreiter Pfad links am rechts vom Wind aufgetuermten Schnee zum Gipfel fuehrte. Also hiess es nochmal 30 Meter (bestimmt ne Viertelstunde): Platz aussuchen, Spikes in den Schnee hauen, Platz aussuchen, Picke in die Wand hauen... und so weiter. Wurde vor allem an der Stelle lustig, als ich meine hacke ienmal zu tief im Schne versenkt habe, und mich einfach mal mit meinem vollen Gewicht und beiden Armen daran Richtung Hang gelehnt habe, um sie wieder rauszubekommen. Hab ich dann auch, und ich selber bin aus der Situation auch rausgekommen, obwohl ich wieder mal nicht weiss wie.

Spaetestens da, war ich mit den Kraefte echt am Ende.

 

Aber als wir dann auf dem Gipfel waren... Ich haette ungelogen echt geheult. Vor Erschoepfung, vor Erleichterung, vor allem aber vor Glueck und Erstaunen. Die Aussicht auf den Sonnenaufgang (gut, das mario uns so gehetzt hat) war atemberaubend. Schon beim Aufstieg aren der grossartige Sternenhimmel und das beleuchtete El Alto in der Ferne wunderschoen anzusehen gewesen, aber der Ausblick von 6088m ueber einerseits El Alto und das Altiplano bis den Bergspitzen zwischen den Wolken und dem Lago Titicaca andererseits hat mir mit dem Bewusstsein, es geschafft zu haben einen der besten Momente meines Lebens beschert. Ich krieg noch jetzt ne Gaensehaut, wenn ich nur dran denke.

 

Knapp 20 Minuten spaeter gings dann schon wieder bergab - Komfortmaessig ist son Berggipfel halt nich unbedingt der Bringer. Da trafen wir dann irgendwann auch Jan wieder, der - nach starken Kopfschmerzen und dem Zerwuerfnis mit Mr.Chan (ich hatte darauf hingewiesen) - den Aufstieg abgebrochen hatte. Wohl gemerkt als einziger, denn etwas spaeter trafen wir auf Charlotte, die - angestachelt von Mario und Jackie, die sie statt beim Namen immer nur "La chica" nannten, und grundsaetzlich so taten, als waere sie hier voellig falsch - den Gipfel etwa eine Stunde nach uns erreichte. Fuer mich ehrlich gesagt einer der Hoehepunkte des Wochenendes. In your face, Mario!!!

 

Der gesamte Abstieg war dann an sich fast noch schlimmer als der Aufstieg. An den wilden schneelandschaft konnte wir uns auch im Hellen nicht mehr erfreuen, erfreut haben wir uns eher daran, dass wir uns keine Ermuedungsbrueche zuzogen und der Thunfischmann jetzt hinter uns lief. Nach Zwischenstop im Basislager (Warten auf Charlotte) und dem restlichen Abstieg gings dann im Minibus nach Hause. Zumindest unsere kuemmerlichen Gespraeche auf dem heimweg beweisen wie fertig wir wirklich waren.

 

Wenn ich zurueck bin, zeig ich Fotos, aber glaubt nicht, die geben den Eindruck auch nur annaehernd wieder. Ich empfehle jedem, es selber zu machen, wenn er denn die Moeglichkeit hat, ich machs nie wieder!

 

Wer aufmerksam liest, merkt, dass ich grade drei Artikel hintereinander gebloggt habe, also hab ich diesmla sogar ne Ausreden fuer Flachwitze und Rechtschreibfehler. Nebenbei war das nach dem Huayna dann wohl das zweithaerteste, was ich im Lben gemacht habe... 

 

¡Vamos a salir campeón!

Euer Papi Bolívar

5.7.09 23:20

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